2026 alles im Arsch? Die Politbande Nürnberg im Check

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Nach dem Erfolg um das „Projekt 31“ – ein selbstverwaltetes Kulturhaus, das vor dem Verkauf gerettet wurde – stellt sich die Frage: Was macht die Politbande eigentlich im Nürnberger Stadtrat? Unsere Autorinnen Michelle und Jana haben Ernesto Buholzer Sepúlveda und Sarah Lohr zum Interview getroffen.

Das Café Regina in Nürnberg: Es ist warm, voll, und Stimmengewirr erfüllt den Raum. Hier treffen wir Ernesto Buholzer Sepúlveda und Sarah Lohr von der Politbande (Website der Politbande). Die 2018 gegründete Wähler:innenvereinigung sitzt seit 2020 mit einem Sitz im Stadtrat. Doch sie verstehen sich nicht als klassische Politiker:innen, sondern als Sprachrohr für Themen, die im parlamentarischen Alltag oft untergehen.

„Eigentlich wollen wir mit den Leuten zusammen die Politik machen“

Ernesto Buholzer Sepúlveda

Kultur bleibt für die Gruppe ein Kernthema, ebenso wie die Vernetzung antifaschistischer Gruppen. Die Politbande ist kein herkömmlicher Ortsverein, sondern ein Zusammenschluss von Menschen aus Kollektiven, Kulturhäusern und feministischen Gruppen.

Ernesto Buholzer Sepúlveda (links) und Sarah Lohr (rechts) von der Politbande Nürnberg sitzen während einem Interview an einem Tisch im Café Regina in Nürnberg Gostenhof.
Ernesto Buholzer Sepúlveda (links) und Sarah Lohr (rechts) im Café Regina in Nürnberg Gostenhof
Bild von Jana Sindel

Raus aus der Resignation: Warum Politbande?

Was treibt jemanden dazu, sich in diesem Rahmen politisch zu engagieren? Für Sarah Lohr war es die Antwort auf ein persönliches Tief:

Sarah Lohr:

„Die sehr rasche Stärkung der AfD war für mich ein richtiger Downer. Ich hatte eine Phase der Resignation, in der ich dachte: ‚Die Welt geht eh unter‘.“

Aus diesem Loch half ihr der Anknüpfungspunkt Politbande. Das Besondere für sie: Man sieht sehr schnell die Ergebnisse der eigenen Arbeit.

Ein Meilenstein: Die Rettung des Projekt 31

Ein besonders sichtbarer Erfolg dieser Arbeit ist das Projekt 31 (Website des Projekt 31). Das selbstverwaltete Kulturhaus in Nürnberg war lange vom Verkauf bedroht. Durch gezielte Verhandlungen im Stadtrat erreichte die Politbande, dass die Stadt das Gebäude kaufte. Damit ist gesichert, dass das Haus für weitere 40 Jahre in Selbstverwaltung bleiben kann – ein Sieg für die alternative Kulturszene der Stadt.

Ein rauer werdendes Klima

Doch die Erfolge stehen vor einer schwierigen Kulisse. Ernesto Buholzer Sepúlveda blickt besorgt auf die aktuelle Lage in Nürnberg:

  • Haushaltsnotlage: Die finanzielle Situation der Städte schränkt Spielräume ein.
  • Rechte Präsenz: Wöchentliche Aufmärsche von Neonazis stürzen die Innenstadt regelmäßig ins Chaos.
  • Bröckelnde Einheit: Ernesto beobachtet, dass die geschlossene Front gegen rechtsradikale Kräfte Risse bekommt.

Auch der Wohnungsmarkt bleibt ein Brennpunkt. Sarah kritisiert das massive Ungleichgewicht: Während Menschen händeringend bezahlbaren Wohnraum suchen, stehen ganze Häuserblöcke seit Jahren leer. Mit einem Wahlergebnis von 15,5 % für die AfD und fast 30 % für die CSU in Nürnberg ist der Druck von konservativer und rechter Seite deutlich spürbar.

„Stadt der Menschenrechte“ – Ein hoher Anspruch

Ein zentraler Punkt auf der Agenda der Politbande ist der Stopp von Abschiebeflügen am Nürnberger Flughafen. Doch wie viel Einfluss kann eine kommunale Wählergruppe auf die Landes- oder Bundespolitik nehmen?

Ernesto findet hier klare Worte:

Ernesto Buholzer Sepúlveda:

„Wenn man sich pathetische Begriffe wie ‚Stadt der Menschenrechte‘ gibt und dann Leute mit Flügen in den Tod schickt, dann ist das eine extrem grausame Praxis.“

Er räumt ein, dass es rechtlich schwierig ist, sich Bundesweisungen zu widersetzen. Dennoch sieht er Spielraum für Boykotte und eine klare offizielle Haltung der Stadt – ähnlich wie Tübingen es bei Klimazielen bereits vorgemacht hat.

Ausblick: 2026 – Alles im Arsch?

Zum Abschluss wagen wir einen Blick in die Zukunft. Auf die Frage, ob im Hinblick auf das Jahr 2026 „alles im Arsch“ sei, antwortet Sarah mit einer Mischung aus Realismus und Hoffnung:

Sarah Lohr:

„Ich würde sagen, es ist alles im Arsch, aber das heißt nicht, dass es so bleiben muss. Ich glaube, wir müssen einfach ganz viel dafür tun.“

Ernesto sieht die politische Arbeit auch als eine Art „Selbsttherapie“:

Ernesto Buholzer Sepúlveda:

„Es lohnt sich immer mehr, dagegen zu kämpfen, als komplett zu resignieren. Wir haben einen gewaltigen Karren aus dem Dreck zu ziehen – und 2026 ist ein sehr gutes Jahr dafür.“