Zwischen Zukunftsangst und Selbstfindung versteckt sich die „Quarterlife-Crisis“. Doch was ist das eigentlich? Und wie gehe ich damit um? Alicia, Nina-Sophie und Judith haben mit einer Expertin und Betroffenen gesprochen.
Marina, Studentin kurz vor dem Bachelor:
“Man ist jetzt in dem Alter, wo man halt so die nächsten Entscheidungen treffen muss, die halt dann schon das Leben maßgeblich entscheiden.”
Lina, Studienabsolventin auf Jobsuche:
„Also wenn ich an meine Zukunft denke, fühle ich mich momentan einfach total verwirrt.“
Das sind Marina und Lina. Marina studiert gerade im letzten Semester angewandte Wirtschafts- und Medienpsychologie. Lina hingegen hat ihr Modejournalismus Studium bereits abgeschlossen und sucht nach einem Job. Eines verbindet die beiden: Sie stecken mitten in der Quarterlife-Crisis. Aber was bedeutet das überhaupt?

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Was ist die Quarterlife Crisis?
Christina Tobisch, Sozial- und Traumapädagogin:
„Also eine Quarter-Life-Crisis ist erstmal kein pathologischer Zustand, sondern es beschreibt wirklich eine Phase der Orientierung und der Sinnsuche im Alter zwischen 20 bis 30 Jahren.“
Christina Tobisch (eigene Website der Praxis) ist Sozial- und Traumapädagogin. In ihrer Praxis in Langerringen hat sie sich auf das Thema Lebensberatung in schwierigen Phasen spezialisiert.
Christina Tobisch, Sozial- und Traumapädagogin:
„Menschen stellen sich in der Phase die Frage, was soll kommen, was will ich, bin ich auf dem richtigen Weg, passt es auch alles so? Es ist also eine Übergangsphase zwischen Jugend und dem Erwachsenen-Werden. Sie beschreibt eben die Phase der Selbst- und Sinnsuche.“
Bei den Betroffenen zeigt sich eine Quarterlife-Crisis auf unterschiedliche Weise. Körperlich können Symptome wie bei einem Burn-Out auftreten. Dazu gehören: Mattheit, Erschöpfung und Schlaflosigkeit. Die Gedanken sind geprägt von einer Mischung aus Unsicherheit, Frustration, einem Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere. Man vergleicht sich mit Gleichaltrigen und zweifelt an den eigenen Zielen. Die Fragen „wer bin ich und was will ich eigentlich?“ prägen den Alltag. Auch Lina ist nach ihrem Studium verzweifelt.
Die Quarterlife Crisis: Gründe für Zukunftsangst und Druck
Lina, Studienabsolventin auf Jobsuche:
“Ich hatte auch einen guten Abschluss, ich hatte während des Studiums immer irgendwelche Jobs, Praktika, es hat immer gut geklappt. Und dann habe ich diesen Abschluss gemacht und seitdem geht alles nur noch bergab. Und mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, kann ich mir das überhaupt noch vorstellen?”
Der Wechsel von der Jugend in das Erwachsenenalter hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich nach hinten verschoben. Das führt zu neuen Ängsten. Dazu kommt der Druck von außen. Durch Social Media hat sich die Erwartungshaltung an ein perfektes Leben stark verbreitet. „High Performen“ wird zur Grundvoraussetzung. Christina Tobisch stellt dabei häufig fest,
Christina Tobisch, Sozial- und Traumapädagogin:
„…dass junge Erwachsene eine Phase erleben, in der sie herausfinden müssen, wer sie sein wollen und wer sie individuell sein wollen. Ob sie diesem Druck von außen nachgeben wollen oder ob sie einen eigenen Weg finden wollen.“
Auf der individuellen Ebene geht es um die Frage: Wer bin ich? Festzustellen, dass man sich selbst nicht kennt, führt zu Unsicherheit. Jede neue Veränderung im Leben sorgt für neue Ängste. Im Kontrast erwarten Menschen heutzutage schnelle Antworten und Klarheit.
Christina Tobisch, Sozial- und Traumapädagogin:
„Wenn man ins Erwachsenenalter übergeht, ist es oft so, dass diese innere Stärke einfach noch nicht richtig ausgereift ist, weil man sehr beschäftigt war mit der Erfüllung von äußeren Reizen und Bedürfnissen.“
Bei der Quarterlife-Crisis geht es also um das Erwachsenwerden. Darum, zwischen sozialen Normen und Social Media den eigenen Weg zu finden. Das sei manchmal gar nicht so einfach, erzählt Marina . Sie hat uns verraten, was ihr dabei hilft.
Erste Hilfe: So gehst du mit der Quarterlife Crisis um
Marina, Studentin kurz vor dem Bachelor:
„Ich habe da letztens mit einer Freundin drüber geredet und sie ist da viel optimistischer und irgendwie hat mich das schon ein bisschen beruhigt, weil wir ja eigentlich im gleichen Boot sitzen.“
Auch Christina Tobisch rät, über Sorgen und Erfahrungen zu sprechen. Und das unbedingt persönlich Face-to-Face und nicht nur über Social Media. Außerdem motiviert sie, Krisen auch als Chance zu sehen. Daran könne man wachsen und sich selbst besser kennenlernen.
Christina Tobisch, Sozial- und Traumapädagogin:
„Lassen Sie sich Zeit zum Leben. Ganz wichtig. Nehmen Sie sich wirklich Zeit. Achten Sie darauf, dass Sie schauen, was Sie wollen. Nicht, was in den Social Medien drin ist, sondern: was wollen Sie.“
Und sie hat noch eine Nachricht an alle Betroffenen, denen es aktuell ähnlich geht.
Christina Tobisch, Sozial- und Traumapädagogin:
„Du bist nicht allein und du bist auch nicht kaputt, sondern du befindest dich mitten in einer ganz wichtigen Lebensphase. Die wirst du schaffen. Lass dir Zeit.“