Maradona – ein Genie mit Ball, ein Rebell mit Ecken und Kanten. Wir erinnern an den Mann, der Fußballgeschichte schrieb: mit göttlichen Momenten, menschlichen Abgründen und einem Erbe, das bis heute nachhallt. Wir haben mit einem Fußball-Historiker und einer Argentinierin über Maradona gesprochen.

Bild von Pixabay.
Er kam aus den ärmsten Vierteln von Buenos Aires und wurde zur größten Fußballfigur, die Argentinien je hervorgebracht hat. Diego Armando Maradona wäre am 30. Oktober 2025 65 Jahre alt geworden. Noch immer ist sein Name mehr als eine Erinnerung – er ist Mythos, Projektionsfläche und Identifikationsfigur zugleich.
Frühes Debüt, besondere Tore
Maradonas Geschichte beginnt früh. Schon als Teenager debütierte er im Profifußball, kurz darauf im Nationalteam. Doch sein endgültiger Aufstieg zur Legende vollzog sich 1986 bei der Weltmeisterschaft in Mexiko. Dort trug er Argentinien fast im Alleingang zum Titel. Besonders das Viertelfinale gegen England ging in die Fußballgeschichte ein: erst das umstrittene „Hand-Gottes“-Tor, dann das „Tor des Jahrhunderts“, bei dem Maradona mehrere Gegenspieler stehen ließ. Zwei Szenen, die seine Genialität und seine Regelbrüche gleichermaßen symbolisieren.
Aus armen Verhältnissen in den Fußballhimmel
Gerade dieser Widerspruch machte ihn für viele Menschen greifbar. Maradona war kein perfekter Held, sondern einer „von unten“, der sich gegen die Großen behauptete. In Argentinien wurde er so zum Symbol einer Nation, die sich immer wieder im Schatten mächtiger Gegner sieht. Der Fußballhistoriker Dietrich Schulze-Marmeling (Website) ordnet Maradonas Wirkung auch sportlich ein.
Dietrich Schulze-Marmeling – Autor und Fußballhistoriker
„Man muss nochmal in den Kontext der 80er Jahre gehen. Das ist ja eine Dekade, in der kein schöner Fußball gespielt wird. Maradona ist dann in dieser Zeit ein Lichtblick.“
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Diese Verehrung beschränkte sich nicht auf eingefleischte Fußballfans. Auch viele Menschen ohne enge Verbindung zum Sport sahen in Maradona eine Figur, die Hoffnung vermittelte. Seine Herkunft, sein Aufstieg und seine Emotionalität schufen eine Nähe, wie sie im Profifußball selten ist.
Skandale Abseits des Fußballplatzes
Doch Maradonas Leben war ebenso von Abstürzen geprägt. Drogenprobleme, Skandale und aggressive Ausbrüche überschatteten immer wieder seine Karriere und die Zeit danach. Genie und Selbstzerstörung standen bei ihm oft erschreckend dicht nebeneinander.
Dietrich Schulze-Marmeling:
„Ich finde das Privatleben von Diego Maradona eine Katastrophe, nicht nur was Drogen anbelangt. Und gleichzeitig muss ich natürlich sagen, wenn ich das mal für einen Moment ausklammere – als Fußballer war er genial, war großartig.“
Als Maradona im November 2020 starb (Bericht von Sport1 auf Youtube), trauerte nicht nur Argentinien. Besonders in Neapel, wo er den SSC Neapel zu historischen Erfolgen führte, gilt er bis heute als Volksheld. Wandbilder, Banner und Gesänge halten seine Erinnerung lebendig. In Argentinien existiert sogar eine eigens ihm gewidmete Pseudoreligion – ein Zeichen dafür, wie tief Maradona im kollektiven Bewusstsein verankert ist.
Diego Armando Maradona war nie nur Fußball.
Er war Hoffnungsträger, Rebell und Spiegel gesellschaftlicher Widersprüche. Und vielleicht gerade deshalb bleibt er unsterblich.
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