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„Zwischen Nürnberg und Nashville habe ich zwei Heimaten gefunden“ – Ellie Benn im Interview

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5–7 Minuten

Im Interview spricht die Künstlerin über die Inspiration, die sie zwischen den USA und Deutschland findet. Was bedeutet „Zuhause“ für eine Künstlerin, die bereits im legendären Bluebird Café und auf den Bühnen von Nürnberg aufgetreten ist?

Ellie Ben (Website) mit Written in the Stars – und jetzt ist sie nicht nur im Song, sondern auch hier bei uns im Studio zu hören. Ja, hi Elli, schön, dass du es heute aus dem großen Nürnberg-Strieg durch Bamberg zu uns ins kleine Ansbach geschafft hast.

Ellie Ben: Hi.

Also du kommst ja ursprünglich aus Nürnberg und warst da ja auch schon so als Straßenmusikerin unterwegs.

Kannst du uns kurz erklären, wie du von der Straße in Nürnberg bis auf eine Bühne in Nashville gekommen bist?

Ellie Benn:

Ja, genau. Ich habe mit Straßenmusik angefangen, da war ich 16 Jahre alt – und tatsächlich war ich schon zwei Monate später in Nashville, Tennessee.
Das war eigentlich ein glücklicher Zufall, weil wir Freunde dort in der Nähe haben. Sie haben mir immer vom Bluebird Café (Website) erzählt – dem Ort, an dem auch Taylor Swift ihre Anfänge hatte und viele andere Künstlerinnen und Künstler aufgetreten sind.

Da habe ich mir in den Kopf gesetzt: „Da möchte ich auch hin!“
Und tatsächlich hatte ich dann die Chance, dort zu spielen – was ein riesiges Glück war, weil sie nur eine begrenzte Anzahl an Musiker:innen zulassen.

An dem Abend durfte ich sogar das Programm abschließen – mit meiner Musik, mit meinem allerersten Song. Das war für mich ein unglaubliches Erlebnis und hat mich ermutigt, weiter meine eigenen Songs zu schreiben.

Wie war denn dieses Erlebnis für dich auf dieser Bühne zu stehen und wie hat es dich als Künstlerin geprägt?

Ellie Benn:

Ja, das war ein absolut magischer Moment für mich. Ihr müsst euch vorstellen: Man musste vorher anrufen, um einen Slot zu bekommen. Ich bin tatsächlich durchgekommen – was eigentlich total unwahrscheinlich war, denn das Telefon klingelt dort ununterbrochen.

Alle wollen dort spielen! Die Leute stehen teilweise zwei bis drei Stunden an, nur um einen der begehrten Plätze zu ergattern – und natürlich auch, um den anderen Musiker:innen zuzuhören.

Ich habe es tatsächlich geschafft, aber der Anruf ist abgebrochen – und ich war erst einmal total am Boden zerstört.
Trotzdem sind wir hingefahren, und Gott sei Dank haben sie mich dann als 26. Künstlerin von eigentlich 25 auftreten lassen.

Das war total schön, weil ich am Ende so sagen konnte: „Hi, ich bin aus Deutschland, ich bin 16 Jahre alt.“ Alle haben erst einmal gejubelt – und dann wurde es mucksmäuschenstill.
Die Leute haben ganz, ganz aufmerksam zugehört, und das hat mich für sehr berührt.

Also wie bist du dazu gekommen, eigene Songs zu schreiben? 

Ellie Benn:

Ich wollte eigentlich schon immer Musik machen. Als ich klein war, war ich vielleicht noch gar nicht so gut, aber ich habe mir fest vorgenommen: „Ich will unbedingt Gitarre lernen“.

Das war in der Grundschule, bei einem Moment mit meiner Lehrerin, wo ich dachte: „Das möchte ich auch können.“

Später, als ich am Gymnasium war, hatte ich so eine Bucketlist. Da habe ich mir gedacht: Straßenmusik wäre doch etwas, das ich ausprobieren könnte. Das Singen habe ich mir dann ganz still und heimlich zu Hause selbst beigebracht.

Mit 16 Jahren habe ich dann gesagt: „Okay, ich gehe jetzt mal nach Nürnberg und spiele einen Tag dort.“ Gott sei Dank haben die richtigen Leute das auf Facebook gesehen, und so kam ich an meine ersten Auftritte.

Seitdem ist der Stein ins Rollen gekommen. Ich freue mich wahnsinnig, was aus dieser Erfahrung entstanden ist und welche anderen Veranstaltungen ich inzwischen schon erleben durfte.

Gibt es denn ein Thema oder eine Emotion, die dich aktuell besonders inspiriert?

Ellie Benn:

Ja, aktuell denke ich auch ein bisschen darüber nach – ihr habt gerade das Thema angeschnitten: Quarter-Life-Crisis. Das beschäftigt mich im Moment sehr. Ich studiere neben der Musik, aber etwas ganz anderes, nichts Musikalisches. Da sitzt man manchmal die ganze Nacht an Hausarbeiten, während viele andere Leute gerade feiern gehen.

Das beschäftigt mich ziemlich stark – vielleicht wird daraus sogar ein neuer Song entstehen.

Wir hatten das Thema ja vorhin schon mal, du warst 2024 in den USA. Aber du warst auch in Deutschland schon auf Festivals.

Was ist der größte Unterschied zwischen der Straßenecke in Nürnberg, Nashville und auf einem großen Festival?

Ellie Benn:

Ja, das ist total unterschiedlich. In den USA war ich bisher in verschiedenen Locations unterwegs, oft an Orten, wo man diese Southern Hospitality erlebt. Die Leute dort sind sehr offen, gehen auf einen zu, unterstützen sich gegenseitig und feiern das, was man macht.

Hier in Deutschland war ich unter anderem auf der Kieler Woche, in Hamburg und im Süden, zum Beispiel in München. Dort hatten wir dieses Jahr unser Banddebüt – in den letzten Jahren war ich immer solo unterwegs. Wir haben beim Theatron Musiksommer im Olympiapark München gespielt.

Es sind total verschiedene Eindrücke, die man sammelt, und das ist immer unterschiedlich.
So pauschal lässt sich das gar nicht sagen – aber genau das macht es ja auch so spannend.

Ein Song von dir heißt East Tennessee und entstand in den Appalachen. Wie entsteht denn bei dir grundsätzlich ein Song?

Ellie Benn:

Das ist super unterschiedlich, aber jetzt zum Beispiel konkret hier – das ist ein bisschen mein Happy Place. Meine Freunde haben dort eine Farm mit lauter Kühen in der Natur, und am Horizont sieht man die Berge. Das erdet total und beruhigt mich sehr. Aus dieser Umgebung ist der Song entstanden: Die Natur in den Worten aufzugreifen und einzufangen.
Aber generell ist es total unterschiedlich – manchmal lasse ich mich von anderen Menschen inspirieren, ganz oft auch von eigenen Erfahrungen.

Deine erste EP trägt den Namen Feels Like Home. Welche Bedeutung hat Heimat für dich?

Ellie Benn:

Heimat verbinde ich tatsächlich mit Menschen. Natürlich, auch zu Hause zu sein, bei der Familie. Musik ist auch Heimat für mich und natürlich Nürnberg. Zwischen Nürnberg und Nashville habe ich auch zwei Heimaten gefunden.

Was hörst du privat, wenn du nicht selbst Musik machst?

Ellie Benn:

Oh, super spannende Frage. Tatsächlich eher Indie und Alternative, also zum Beispiel Sam Fender, also ganz unterschiedlich oder auch in den USA Noah Kahn. Also ich lasse mich da auch gerne inspirieren. Ja, also natürlich noch die spannende Frage, was steht denn als nächstes so bei dir an? 

Gibt es neue Songs oder vielleicht sogar ein größeres Projekt, auf das wir uns freuen können?

Ellie Benn:

Ich habe vorhin schon erwähnt, wir hatten unser Banddebüt und da wird auf jeden Fall nächstes Jahr mehr folgen. Ich freue mich da total. Ich habe meinen Vater im Boot, meinen Bruder und meinen früheren Gitarrenlehrer – also das ist auch eben so ein sehr familiäres Umfeld und das ist super schön. Die haben mich von klein auf begleitet und stehen jetzt mit mir auf der Bühne. Da wird mehr kommen, auch auf jeden Fall neue Songs. Nächstes Jahr sind wir dran und es entstehen natürlich auch immer neue Lieder. Also seid gespannt.