In New York schreibt Zohran Mamdani als jüngster Bürgermeister seit 100 Jahren Geschichte, in Nürnberg will Dr. Nasser Ahmed 2026 ins Rathaus. Zwei Männer, zwei Kontinente, eine gemeinsame Vision: Eine Stadt, die sich jeder leisten kann. Wie viel New York steckt in Nürnberg? Und wie fühlt es sich an, wenn Politik plötzlich nach „uns“ klingt?
New York feiert seinen jüngsten Bürgermeister seit einem Jahrhundert
Es ist der Abend des 4. November 2025. In New York City herrscht Ausnahmezustand. Aber im positivsten Sinne. Die Sonne ist längst untergegangen, aber für viele Menschen in der Stadt, die niemals schläft, geht sie gerade erst auf.
Zohran Mamdani, 34 Jahre alt, Demokratischer Sozialist, tritt vor die Menge. Er hat gerade die Bürgermeisterwahl gewonnen.

Foto von Bingjiefu He, lizenziert unter CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.
„The sun may have set over our city this evening, but as Eugene Debs once said, ‚I can see the dawn of a better day for humanity.‘ […] My friends, we have toppled a political dynasty.“
Zohran Mamdani, Victory Speech
„Meine Freunde, wir haben eine politische Dynastie gestürzt“
Zohran Mamdani
Mamdani ist der jüngste Bürgermeister seit über einem Jahrhundert. Sein Versprechen: Ein New York, dass sich jeder leisten kann. Dazu gehören Mietendeckel, kostenlose Busse und Gratis-Kinderbetreuung. Ein Sieg für die, die oft vergessen werden: Die Taxifahrer, die Bodega-Besitzer – Betreiber kleiner Eckläden, die in New York oft als soziale Treffpunkte und wichtige Versorger in den Vierteln fungieren – die „Aunties“ und „Abuelas“.
„New York will remain a city of immigrants: a city built by immigrants, powered by immigrants and, as of tonight, led by an immigrant.“
Zohran Mamdani, Victory Speech
Eine Stadt der Einwanderer, angeführt von einem Einwanderer. Dieser Stolz, diese neue Form der Repräsentation strahlt weit über den Atlantik, bis nach Nürnberg.
Nürnberg 2026: Ein Sohn eritreischer Einwanderer will ins Rathaus
Denn auch hier bereitet sich jemand vor, die politische Landschaft zu verändern. 2026 wählt Nürnberg einen neuen Oberbürgermeister. Und für die SPD tritt ein Mann an, dessen Geschichte verblüffende Parallelen zu der von Zohran Mamdani aufweist: Dr. Nasser Ahmed.

Foto: SPD Nürnberg
Der 1988 geborene Nasser Ahmed ist in Nürnberg-Langwasser aufgewachsen. Seine Eltern kamen als Flüchtlinge aus Eritrea. Heute ist er promovierter Politikwissenschaftler und Vorsitzender der Nürnberger SPD. Wenn er 2026 antritt, geht es ihm nicht nur um ein Amt. Es geht um ein Signal.
Dr. Nasser Ahmed – Oberbürgermeisterkandidat:
„Ich will Vorbild sein. Ich will Türöffner sein. Ich will zeigen, dass alles möglich ist. Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, meine Eltern sind als Flüchtlinge hergekommen, und dennoch stehe ich hier. Dennoch habe ich Chancen bekommen. Nürnberg ist meine Stadt der Chancen, und das soll sie für alle sein.“
„Stadt der Chancen“. Das ist ein großes Versprechen. Während Zohran Mamdani in New York einen Wahlkampf gegen massive Hetze und Islamophobie führen musste, erlebt Nasser Ahmed in Nürnberg eine andere Realität. Natürlich gebe es auch hier Stimmen, die ihn auf seine Herkunft reduzieren wollen.
Dr. Nasser Ahmed – Oberbürgermeisterkandidat:
„Meine stärkste Emotion ist, stolz für meine Heimatstadt anzutreten. Ich sage immer ich bin waschechter Nürnberger und von daher möchte ich da gar nicht anders behandelt werden oder anders gesehen werden als alle anderen. Aber ich merke natürlich schon, es gibt Menschen, die immer noch Vorurteile haben […]. Das ist aber eine ganz, ganz kleine Minderheit. Und von daher sollte die große Mehrheit eigentlich meine Kandidatur als ganz normal sehen. Und wir sollten uns eher über die Inhalte unterhalten, für die ich stehe.“
Diese Normalität einzufordern, dass ein Sohn eritreischer Einwanderer ganz selbstverständlich Oberbürgermeister werden kann, ist vielleicht die wichtigste Botschaft für junge Menschen in dieser Stadt. Und genau hier schließt sich der Kreis zu Zohran Mamdani in New York.
Eine gemeinsame Vision: Eine Stadt muss sich jeder leisten können
Beide Politiker stehen für eine neue, diverse Generation. Beide fordern radikale Teilhabe.
Dr. Nasser Ahmed – Oberbürgermeisterkandidat:
„Zohran Mamdani beeindruckt mich natürlich, denn er trat an für eine Vision. Für die Vision, dass New York bezahlbar ist, für jeden und für jede. Und da sehe ich eine große Parallele, denn das ist auch eines meiner großen Ziele.
Ich sage Nürnberg muss sich jeder leisten können, niemand darf abgehängt werden. Und Nürnberg muss auch wieder funktionieren. Und zwar nicht nur für die da oben, sondern für uns alle.“
„Nicht nur für die da oben“. In New York heißt das: Höhere Steuern für Reiche, um Busse und Kitas zu finanzieren. Und in Nürnberg?
Dr. Nasser Ahmed – Oberbürgermeisterkandidat:
„Bildung, Bildung, Bildung! Je früher wir ansetzen, desto besser, bei den Kitas, in den Grundschulen. Es kann nicht sein, dass 6 bis 8% der Kinder jedes Jahr unsere Schulen ohne Abschluss verlassen. Das ist ein Skandal. Da möchte ich meine ganze Kraft reinlegen als Oberbürgermeister. Nicht in Prestigeprojekte, nicht in Magnetbahnen, nicht in Gartenschauen, sondern da rein! In die Bildung, in die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt.“
Ob in Queens, New York oder in Nürnberg-Langwasser. Die Kandidatur von Nasser Ahmed und der Sieg von Zohran Mamdani zeigen, dass sich der Begriff davon, wer „wir“ sind und wer uns repräsentiert, wandelt.
Vielfalt ist eine Stärke: „Die Stadt als großer Chor“
Ahmed hat dafür im Interview ein Bild gefunden, das vielleicht besser als jedes Wahlprogramm beschreibt, wie sich, seiner Meinung nach, eine Stadt anfühlen sollte, in der alle stolz sein können.
Dr. Nasser Ahmed – Oberbürgermeisterkandidat:
„Ich sage mal, jeder hat seine eigene Stimme, wie in so einem ganz großen Chor. Jeder trägt was bei und am Ende stellt sich dann die Harmonie ein. Die Harmonie steht nicht am Anfang. Nicht jeder muss dieselbe Stimme haben und dasselbe sagen, sondern am Ende stellt sich die Harmonie durch die Vielstimmigkeit ein. Vielfalt ist keine Schwäche. Vielfalt ist eine Stärke.“
Ein Chor aus vielen Stimmen. In New York hat dieser Chor gerade einen neuen Dirigenten bekommen. In Nürnberg entscheidet sich am 8. März 2026, wer den Taktstock übernimmt.
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