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Rassismus aus der politischen Mitte. Ist Menschenfeindlichkeit jetzt normal?

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Die sogenannte „Stadtbild-Debatte“ sorgte im Oktober 2025 für viel Aufruhr. Aber ist es wirklich diese eine Aussage des Bundeskanzlers, die das Problem ist, oder steckt da mehr dahinter?Ein Kommentar von Felix Marzioch

„Bei der Migration sind wir sehr weit. Wir haben in dieser Bundesregierung die Zahlen August 24 – August 25 im Vergleich um 60 % nach unten gebracht, aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt im sehr großen Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.“

Friedrich Merz – Bundeskanzler

Vor kurzem hat unser Bundeskanzler, der sich selbst zur gehobenen Mittelschicht zählt, mal wieder mit einer – ich nenne es mal „interessanten“ – Aussage für Aufruhr gesorgt.

Die Beschwerden waren laut. Wie kann es sein, dass der Bundeskanzler eines freiheitlich demokratischen Landes so etwas sagt? Er sorgte damit für viel Überraschung und Empörung.

Ich bin nicht überrascht.

Seien wir mal ehrlich. Sollte uns das wirklich überraschen? Das ganze läuft doch schon viel länger in eine schlechte Richtung. Diese ganze “Debatte” darüber, ob und wie sehr wir die Geflüchteten respektieren sollten, existiert zwar schon genauso lange wie besagte Geflüchtete, aber die rapide Verschlimmerung des Ganzen macht mir so langsam wirklich Sorgen.

Na ja, zum Glück gibt es noch Stimmen, die im öffentlichen Raum Kontra geben.

Bei der letzten Wahl zum Beispiel gab es ja diesen großen ZDF-Schlagabtausch. Hier sollten noch einmal vor der Wahl die wichtigsten Themen diskutiert werden. Tino Chrupalla von der AfD wurde eingeladen, hat mehrere Male gegen den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk geschossen und dann auch die altbekannten Meinungen der AfD zur Migration wiederholt.

Christian Lindner (FDP) und Alexander Dobrindt (CSU) haben hier ganz klar eine starke Stellung bezogen. Beide sagten, wer arbeitet und sich integriet ist HERZLICH willkommen. Wer das nicht will oder gar kann, muss unser Land verlassen. Felix Banaszak (Grüne) war hier etwas differenzierter und will auch denen Helfen, die sich nicht selbst helfen können. AUßER sie werden kriminell. Dann müssen auch sie gehen.

Und so, oder so ähnlich läuft es immer wieder im öffentlichen Raum. Ein Menschenfeind wird in eine Sendung des öffentlich-rechtlichen-Rundfunks eingeladen, hetzt gegen Geflüchtete und ein starker Vertreter der Demokratie kontert mit: „Nein, nicht alle von ihnen sind böse! Wir sollten uns auf die wirklich Kriminellen konzentrieren! Außerdem brauchen wir die geflüchteten Menschen für unsere Wirtschaft und unsere demografischen Probleme!“

Oh danke du Ritter der Demokratie, du Kämpfer gegen den Fremdenhass! Wir sollten die Geflüchteten nur behalten, WEIL und solange sie nützlich sind. Wir reden im öffentlichen Diskurs immer über diese Menschen, als wären sie ein Gut, bei dem man abwägen muss, soll man es jetzt importieren oder doch nicht? Brauchen wir wirklich Bananen oder sind sie doch zu gefährlich? Und was ist, wenn die Banane kriminell wird? Dann ganz schnell weg! Raus! Raus aus unserem tollen Land! Wir haben keinen Platz für Kriminelle!

Flüchtlinge verdienen keine zweiten Chancen

Außer, der Kriminelle ist Deutsch. Oder ein sogenannter „legaler“ Immigrant aus Europa. Dann soll er natürlich nach unserem Recht und Gesetz behandelt werden, in ein Gefängnis kommen und reformiert werden, damit er eine zweite Chance am Leben bekommt. Geflüchtete verdienen diesen Luxus einer zweiten Chance nicht. Vor allem nicht, wenn sie nur deswegen kriminell werden, weil unsere Verwaltung es so schwer für sie macht, ein normales Leben aufzubauen, aber das ist ja egal.


  • Flüchtlingskrise hautnah

    Flüchtlingskrise hautnah

    Flüchtlinge aus Kriegsgebieten suchen in Europa und in anderen Ländern Schutz. Zehntausende davon versuchten vor einiger Zeit, über Griechenland nach Europa zu kommen. Sie wurden mit Tränengas, Gummigeschossen und Rauchbomben empfangen. Auf der anderen Seite leben in dem Flüchtlingslager Zaatari…


Das ist eine Politik, die man aus wirklich fast jeder Partei, von der „Mitte“ bis zur leicht linken Richtung, heutzutage hört. Ist das nicht auch rassistisch? Ist es nicht rassistisch, geflüchtete Menschen wie Bürger zweiter oder sogar dritter Klasse zu behandeln? Egal ob man es nun macht um die rechten Stimmen zu „entzaubern“ oder nicht?

Wie kann es denn eigentlich sein, dass die “differenzierte” und am weitesten verbreitete Meinung zum Thema Migration eine zumindest leicht menschenverachtende ist?

Ich meine, was genau denken wir denn, was passiert, wenn wir Geflüchtete abschieben? Es hat ja einen Grund, dass sie geflüchtet sind. Egal, ob wir sie abschieben, weil sie zu den bösen bösen Kriminellen gehören oder nicht. Sie kommen zurück! Klar, wenn wir Glück haben, landen sie in einem anderen EU-Land, das sie dann auch abschiebt und das ganze wiederholt sich bis sie entweder auf dem Weg oder in ihrem Herkunftsland sterben. Naja, aus den Augen aus dem Sinn.

Oder sie landen tatsächlich in einem Land, dass sich tatsächlich bereiterklärt diese Menschen aufzunehmen und auch tatsächlich gut behandelt und integriert, damit sie nicht wieder kriminell werden. Nur leider fallen mir wenig Länder ein, die das tun.

Artikel 1 des Grundgesetzes besagt:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Artikel 1 des Grundgesetzes

Wenn du, als AfD-ler, geflüchtete Menschen in ihre Heimatländer zurückführen willst, weil für dich ein jeder brauner Mensch automatisch ein gewalttätiger Straftäter ist, missachtet das die Menschenwürde.

Wenn du, als CDU-ler, genau dasselbe tust wegen des „Stadtbilds“ und damit sagst, dass Geflüchtete nicht zu Deutschland gehören, missachtet das die Menschenwürde.

Wenn du, als SPD-ler, solche Aktionen eines Koalitionspartners stumm unterstützt, missachtet das die Menschenwürde.

Und auch wenn du, als Grüner, dieselben Positionen vertrittst, aber es mit einer „Politischen Notwendigkeit“ erklärst und versuchst dich damit raus zureden, wie ungern du das tust und wie sehr du dabei Bauschmerzen verspürst. Auch dann, missachtest du die Menschenwürde.

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