„Das kann einen auch richtig kaputt machen“ – Die Weihnachtszeit als Postbote

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Kälte, Stress, geringer Lohn: Der vermeintliche Traumjob des Paketzustellers wird zur Belastungsprobe. Im Rabbit RadioInterview spricht ein Ex-Postbote offen über harte Arbeitsbedingungen in der Weihnachtszeit und Momente, die ihn an seine Grenzen brachten.

Kälte, Stress, und tonnenweise Pakete – die Weihnachtszeit ist für Postboten oft eine extreme Herausforderung. Im Interview erzählt Ex-Postbote Patrick unserem Autor Kai von harten Arbeitsbedingungen, unfreundlichen Kunden und Momenten, die ihn an seine Grenzen gebracht haben.

Mythos Weihnachtsgeschäft: September ist der wahre Stress-Monat

Patrick – Ex-Postbote:
Interessanterweise ist Weihnachten gar nicht die schlimmste Zeit. Eher September bist Oktober, November ist die schlimmste. Aber es ist eine sehr stressige Zeit, weil eben das Wetter schlimm wird, vor allem die Glätte ist ein Problem. Und gleichzeitig gibt’s da halt am meisten Post, in dieser Zeit.

Kai – Rabbit Radio: War die Zeit damals sehr anstrengend, also … wie war das damals für Dich?

Patrick – Ex-Postbote:
Ja, es war unglaublich anstrengend. Es war krass, es war stressig. Ich bin’s gewohnt, weil ich, glaube ich … ja, ich mag Fahrradfahren, ich bin ein relativ sportlicher Kerl. Aber das kann einen auch richtig kaputt machen. Also eine Freundin von mir, die zeitgleich mit mir angefangen hat, die hat dann irgendwann einen Rhythmus entwickelt, dass sie morgens gar nicht gefrühstückt hat und dann unter Stress dann eben gearbeitet hat. Bis 17 oder 18 Uhr. Sie war auch immer langsamer als ich. Sie war auch Autofahrerin, also musste mit mehr Paketen umgehen als ich. Und dann am Abend, wenn sie nach Hause gekommen ist, hat sie quasi alles reingefressen, also alles in sich reingefressen, was sie den Tag über hätte essen sollen und ist dann halt schon ins Bett gefallen nur um alles am nächsten Morgen wieder zu tun.

Kai – Rabbit Radio: Wie war dann zu der Zeit dein Stundenlohn?

Patrick – Ex-Postbote:
Ich glaub 11 oder 12 Euro die Stunde. Also man kann über die Post sagen was man möchte, bezahlen tut sie gut.

Kai – Rabbit Radio: Gab’s irgendwie bestimmte Quoten, die du erfüllen musstest?

Patrick – Ex-Postbote:
Ne das nicht. Also im Optimalfall musste ich halt fertig werden. Quoten nein. Und da ich eben eine quasi studentische Hilfskraft war, oder eben nicht fest angestellt, konnte ich auch so lange arbeiten, wie ich mochte.

Kai – Rabbit Radio: Weißt Du von Kollegen, die bei Subunternehmen angestellt waren? Und wenn ja: wie war die Situation von denen?

Patrick – Ex-Postbote:
Also mehrere Freunde von mir sind oder waren bei Hermes angestellt. Erst neulich ein guter Freund von mir. Und bei dem war es so, dass die Arbeit als Paketschlepper, Paketstapler sehr monoton ist. Und meinem Freund ist besonders aufgefallen, dass da eben, am meisten die Mitarbeiter aufgefallen. Da sind, und waren eben auch bei der Post, bisschen komische Gestalten. Manchmal eben viele Ausländer, die dann eben leider in solche Jobs gepackt werden, oftmals aber auch Personen, die oftmals irgendwo den Sprung verpasst haben, denke ich.

Unfreundliche Kunden und gefährliche Lasten

Kai – Rabbit Radio: In der Weihnachtszeit ist ja auch immer Stress bei den Kunden. Sind die Kunden in der Weihnachtszeit grundsätzlich unfreundlicher?

Patrick – Ex-Postbote:
Ich glaub die Kunden sind grundsätzlich sehr unfreundlich. Aber ich glaube in der Weihnachtszeit oder auch im Winter, gibt es hier und da sehr nette Kunden. Ich hatte im Herbst, als ich gearbeitet hatte, gab es einen unglaublichen Regentag, wo es wirklich geschüttet hat wie verrückt. Und als ein Kunde das gesehen hat, hat er mir angeboten, dass ich eine Hose von ihm anziehen darf, was ich dann auch getan hab. Aber im Allgemeinen, also nicht nur zur Weihnachtszeit, sind auch viele Kunden einfach sehr unangenehm.

Kai – Rabbit Radio: was würdest du dir dann zur Weihnachtszeit von der Post für die Postboten wünschen?

Patrick – Ex-Postbote:
Trikes. Trikes sind Dreiräder. Das ist insofern wichtig, weil wenn du mit einem normalen zweirädrigen Fahrrad fährst kann das ziemlich leicht sein, dass du ausrutschst. Und wenn du ausrutschst das kann dann entweder darin enden, dass all deine Post zu Boden fällt oder das Fahrrad, das teilweise 90 bis 120 Kilo wiegt, wie auch immer, fällt auf dich drauf und bricht dir beide Beine. Und was würde ich mir noch wünschen? Ja, einfach generelle Entlastung, schätze ich.

Hinweis der Redaktion: Die Textfassung orientiert sich am gesendetem Radiobeitrag (siehe Audiofassung). Sie kann im Vergleich zur Audio-Version redaktionelle Kürzungen und Anpassungen zur besseren Lesbarkeit enthalten oder auch längere Passagen aus den Original-Interviewmitschnitten wiedergeben.