Stolz im Fernsehen – SAT.1 Senderchef Marc Rasmus im Gespräch

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Vierzig Jahre nach dem Start von SAT.1, dem erste deutschen Privatsenders, steckt der Sender mitten im Wandel. Im Gespräch erzählt Senderchef Marc Rasmus, wie er dem Sender neues Profil verleiht, warum das lineare Fernsehen noch lange nicht tot ist und über die Momente, in denen Fernsehen ihn noch heute Stolz macht.

Guten Morgen meine Damen und Herren […] Sie sind in dieser Minute Zeuge des Starts des ersten deutschen privaten Fernsehveranstalters, der Sie mit einem Vollprogramm täglich ab 16:45 Uhr über den Nachmittag und Abend begleiten wird.

Jürgen Doetz, PKS

Mit diesen Worten beginnt 1984 ein neues Kapitel deutscher Mediengeschichte. Der Sender PKS, kurz für „Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk“ – später SAT.1 – geht erstmals auf Sendung. Der Name SAT.1 soll deutlich machen: Das hier ist der erste private Satellitensender Deutschlands.

Vierzig Jahre später ist SAT.1 längst Teil eines der größten Medienhäuser des Landes – und steht wie viele klassische Fernsehsender vor der Frage, wie man neben Social Media und Streamingangeboten sichtbar bleibt.

Tot ist SAT.1 lange nicht

Marc Rasmus, seit zwei Jahren Senderchef, beschreibt den Moment seiner Amtsübernahme so:

Als ich SAT.1 vor zwei Jahren übernehmen durfte, war bei dem Sender ein bisschen das Profil verloren gegangen. Und ich habe versucht zu finden, ob da noch Energie ist, wo noch was sprudelt und wo die Identität des Senders herkommt.

Marc Rasmus, SAT.1 Senderchef

Die Herausforderung ist groß. Denn laut einer aktuellen ARD/ZDF Medienstudie schauen zwar noch 74% der Deutschen wöchentlich lineares Fernsehen – doch vor allem die Jüngeren zieht es woanders hin. YouTube, TikTok und Streamingplattformen dominieren ihren Medienalltag.

Es gibt so viel Angebot mittlerweile, nicht nur von den klassischen Fernsehsendern, sondern eben auch von Streaming und Social Media und was auch immer, dass man glaube, ich nicht erwarten kann, dass die Leute stolz sind auf den Sender. Aber ich möchte, dass sie den Sender gerne einschalten, mit einem guten Gefühl und verstehen, dass es eine gute Idee ist, mal bei SAT.1 vorbeizuschauen.

Marc Rasmus, SAT.1 Senderchef


Und tatsächlich: Es gibt Fortschritte.

Also tot ist SAT.1 lange nicht, im Koma liegt es auch nicht mehr. Und an manchen Stellen ist der Riese SAT.1 noch ein bisschen schläfrig, aber an manchen Stellen auch schon sehr, sehr wach geworden. Und darauf bin ich stolz: dass wir SAT.1 aus dieser schwierigen Phase rausgeholt haben – in eine Wahrnehmbarkeit.

Marc Rasmus, SAT.1 Senderchef

Worauf ist Rasmus persönlich stolz?

Neben den strategischen Überlegungen gibt es für Rasmus Augenblicke, die ihm immer wieder zeigen, warum er diesen Job macht – und worauf er wirklich stolz ist.

Das passiert mir regelmäßig, wenn ich
The Voice of Germany schaue.

Marc Rasmus, SAT.1 Senderchef

Eine Sendung, die ich zwar verantworte und wo ich vorher viel weiß, was passiert, wer auf den Stühlen sitzt usw. Aber ich versuche, die Sendungen möglichst wenig anzuschauen, damit ich, wenn die Ausstrahlung dann ist, auf dem Sofa sitzen kann als Zuschauer und die Sendung ganz unbefangen sehen kann.

Und wenn ich dieses tolle Format sehe, sehe, wie viel Glück das entfacht, wie viel Respekt das entfacht bei den Leuten, wie glücklich Menschen da gemacht werden, dann bin ich regelmäßig stolz, beim Fernsehen arbeiten zu dürfen.

Marc Rasmus, SAT.1 Senderchef