„Promis unter Palmen“, das „Sommerhaus der Stars“ oder „Are You The One“. All diese Formate haben eine Sache gemeinsam: sie bringen uns zur Weißglut. Warum reagieren wir so emotional auf Trash-TV-Teilnehmende und verbindet uns diese gemeinsame Wut sogar?
Trash-TV erlebt in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung. 2024 sahen sich laut Statista 22 Prozent der Befragten Trash-TV-Sendungen an. Auf YouTube, Instagram und TikTok reagieren Influencer auf einzelne Szenen und nehmen die Teilnehmenden mit Humor und Kreativität aufs Korn. In den Kommentaren ist man sich oft einig: Der oder die wird gehasst, aus vollstem Herzen. Ist dieser gemeinsame Hass der Grund, weshalb Trash-TV so beliebt geworden ist und inwiefern vereint uns dieser Hass? Das haben wir Julia Sasse gefragt. Sie ist Medienpsychologin und lehrt an der Hochschule Ansbach.
Julia Sasse, Medienpsychologin:
Ich bin mir gar nicht sicher, ob es tatsächlich primär der Hass ist, der uns dazu bringt, Trash-TV zu schauen, oder einfach ein gewisser Voyeurismus, die Tatsache, dass wir etwas sehen, was anders ist, Personen, die sich anders verhalten, als wir zumindest hoffen, dass wir uns verhalten würden. Und das finden viele Menschen faszinierend und schauen deswegen Trash-TV.
Warum wir gerne hassen
Trotzdem reagieren wir oft abneigend gegenüber Trash-TV-Teilnehmenden. Warum?
Julia Sasse, Medienpsychologin:
Wenn wir dann Trash-TV schauen, dann neigen wir dazu, uns auch mit den Personen, die zum Beispiel in irgendwelchen Reality-Formaten mitmachen, zu vergleichen. Und beim Trash TV, da wird das ja so ein bisschen gefördert. Wir sprechen dann von Abwärtsvergleichen mit Personenvergleichen, bei denen wir denken, na ja, die können vielleicht ein bisschen weniger als wir oder die sind weniger moralisch als wir. Das kann uns so ein Sicherheitsgefühl einfach geben. So sind wir nicht. Wir sind da besser, wir sind moralischer, wir würden uns so nicht verhalten.
Häufig werden wir auch selbst laut, wenn sich Trash-Protagonisten anlügen und betrügen, aus nichts einen Aufstand machen, sich anschreien und körperlich angreifen. Dann fangen wir an, mit diesen Protagonisten auf dem Bildschirm zu diskutieren. Eigentlich sollten wir wissen, dass es nichts bringt, trotzdem tun wir es, steigern uns teilweise richtig rein.
Julia Sasse, Medienpsychologin:
Das sind sogenannte parasoziale Interaktion. Wir geben dann irgendwie Feedback, wir kritisieren und ich glaube, viele Handlungen im Trash-TV laden einfach dazu ein, dass wir da irgendwie interagieren, dass wir versuchen einzugreifen oder dass wir das auch verurteilen, was eine Person gerade gemacht hat.

Auch Liebe und Bewunderung können vereinen
Wir treffen uns mit Freunden, sitzen zusammen auf dem Sofa oder im Bett, suchen auf Netflix und Co. nach einem Film, den man zusammen schauen kann. Oft wählen wir aber dann doch eine Show wie „Love Island“ oder „Too Hot to Handle“, weil wir wissen, da können wir uns gemeinsam amüsieren. Da kann man lästern. Warum besprechen wir das Geschehene so gerne mit anderen? Schweißt uns das zusammen?
Julia Sasse, Medienpsychologin:
Dieser Klatsch und Tratsch, der hilft einfach unheimlich dabei, auch so ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit unseren Freundinnen und Freunden zu schaffen. Aber natürlich kann das auch die Bewunderung für eine Person sein, die Zuneigung, die wir vielleicht für, weiß ich nicht, eine Kandidatin oder einen Kandidaten empfinden. Das geht schon auch und es gibt ja auch Formate, die durchaus so aus dem Bereich des Reality-TV kommen, aber nicht so trashig sind. Also, ich denke jetzt zum Beispiel an „Love on the Spectrum“, wo das Dating-Leben von neurodiversen Personen beschrieben wird. Das bringt auch, glaube ich, viele Leute zusammen und die gucken das ganz begeistert und da hat sich so eine Fanbase gebildet. Und da haben wir eben nicht diese trashigen Anteile und nicht diesen Hass.
Mitunter schauen wir Trash-TV also, um gemeinsam zu hassen und uns so in einer Gruppe zugehörig zu fühlen. Viel schöner ist es aber zu hören, dass es auch immer mehr Formate gibt, die uns mitfühlen lassen, die uns inspirieren und motivieren. Vielleicht sollte uns das ein Zeichen sein, uns für mehr Liebe und Verständnis in der Welt einzusetzen.