Wie halte ich meinen Arsch gesund?

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Arsch hin oder her, – nicht nur ein schöner Rücken kann entzücken. Man sagt ja immer, es kommt auf die inneren Werte an. Unser Darm.(Fast) jede*r besitzt einen und es ist uns allen klar, dass er für unsere Verdauung wichtig ist. Aber wie halte ich ihn gesund? Und was passiert, wenn es im Darm nicht so läuft?

Wenn die Welt im Arsch ist, müssen wir zumindest auf unseren eigenen achten. Deshalb habe ich mir die Frage gestellt, was geschieht eigentlich in meinem Arsch? Wie halte ich meinen Darm gesund? Bei meiner Recherche stoße ich immer wieder auf einen Begriff: das Darm-Mikrobiom.

Einer, der sich intensiv damit beschäftigt, was im Darm so passiert, ist Doktor Hendrik Poeck. Er forscht an der Uniklinik in Regensburg zum Darmmikrobiom. Dabei untersucht er, wie alle seine Bestandteile den Erfolg anderer Therapien beeinflussen, besonders bei der Behandlung von Krebs.

Also, was ist das Darmmikrobiom eigentlich?

Prof. Dr. Hendrik Poeck:

Also da sind Viren dabei, da sind Pilze mit dabei, da sind aber auch Bakterien mit dabei. Das Darm-Mikrobiom, muss man fast wie ein Organ sehen, das aus wahnsinnig vielen kleinen mikrobiellen Vertretern besteht, die in Zusammenspiel mit unseren normalen Zellen, die im Darm sitzen, wirklich Reaktionen über den ganzen Körper beeinflussen können. Von lokaler Immunreaktion nur im Darm bis hin zu Stoffwechselprozessen im Gehirn.

Doch wenn der Darm nicht so gut funktioniert, was dann?

Nick Chadzelek lebt mit Morbus Crohn. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, bei ihm ist der Dickdarm betroffen.

Nick Chadzelek:

Ansonsten sind bei mir keine weiteren Stellen im Darm oder der Speiseröhre oder dem Magen oder so betroffen, im Prinzip kann das auch in Schubphasen auch andere Teile angreifen oder betreffen, allerdings ist es in meinem Fall nur der Dickdarm, aber eben von Anfang bis Ende.
Es gibt bei Morbus Crohn eben auch die Situation, dass dein Morbus Crohn abszessbildend ist, worunter auch eben diese Fisteln fallen können. Das ist auch für mich die unangenehmste Begleiterscheinung des Ganzen.

Für Nick Chadzelek bedeutet Morbus Crohn vor allem eines: den Alltag neu auszurichten.

Nick Chadzelek:

Meine normale Routine ist eigentlich, dass ich alle zwei Wochen durch Selbstinjektion Remsima, so nennt sich das Medikament, aber der Wirkstoff an sich nennt sich Infliximab, verabreiche, 120 Milligramm. Im Prinzip sieht das aus wie ein Epi-Pen, das ist auch von der Prozedur genau das Gleiche. In meinem Fall ist es das tatsächlich, ansonsten die Ernährung.

Gerade da gibt es viel umzustellen.

Nick Chadzelek:

Bei Morbus Crohn, da muss man echt gucken, was für einen selbst funktioniert. Bei mir ist das grundsätzlich, dass ich auf Ballaststoffe so gut es geht verzichte, weil das einfach den Magen zu sehr beansprucht und der das nicht richtig verdaut.

Generell schaue ich darauf, dass ich meine Speisen nicht mehr so stark würze, mein Fleisch nicht mehr ganz so scharf anbrate und alles ein Ticken milder koche, kein Alkohol, aber das war für mich keine große Umstellung.
Und das Einzige wo ich tatsächlich immer noch beschäftigt bin und was eigentlich leider Gottes eine absolute Sünde bei Morbus Crohn ist, ist das Zigarettenrauchen.

Sich gut zu ernähren ist allgemein für den Darm wichtig, nicht nur bei Morbus Crohn.

Prof. Dr. Hendrik Poeck:

Generell können Sie sich sagen, wenn Sie genau das, was wir immer von unseren Eltern gehört haben, befolgen, dann sind Sie wahrscheinlich schon relativ gut. Viel Gemüse, Obst, ballaststoffreiche Kost. Und der Grund, warum das so ist, ist, dass wir damit ein, sagen wir mal diverses Mikrobiom erhalten, was für dieses Gleichgewicht im Darm und aber auch im ganzen Körper extrem wichtig ist.

Der Darm und Stress

Laut einer Studie des Journal of Clinical Investigation, kann man den Darm auch das zweite Gehirn nennen, da er unter anderem eine große Diversität an neuronalen Zellen hat. Vielleicht ist er deswegen auch nicht nur ernährungs-, sondern auch stimmungsabhängig.

Nick Chadzelek:

Also Stressvermeidung ist super wichtig. Das ist auch ein direkter Einfluss, den ich merke. Habe ich Stress in meinem Leben, habe ich Probleme mit meinem Morbus Crohn. Man sollte darauf einfach gut Acht geben. Und lieber einmal zu viel zum Arzt gehen als zu wenig, weil wenn man Probleme im Bauch hat, ist Scheiße – im wahrsten Sinne des Wortes.