Was passiert, wenn Schüler:innen die Redaktion übernehmen? In diesem Ausschnitt aus der Rabbit Radio Ai-School diskutieren David und Lea mit Rabbit Radio Redakteur Philip über die Zukunft des Journalismus, den Einfluss von KI und warum das „Geben und Nehmen“ im Team der Schlüssel zum Erfolg war.
Dieser Beitrag wurde von Schüler:innen der FOS / BOS Triesdorf im Rahmen eines einjährigen Projekts zum Thema Medienkompetenz gemeinsam mit Redakteur:innen von Rabbit Radio recherchiert und produziert. Er ist Teil einer ganzen von Schüler:innen gestalteten Sendung.
Lea: Hi, ich bin Lea.
David: Hi, ich bin David.
Lea: Marvin und Daria gönnen sich jetzt eine kleine Pause und deswegen übernehmen wir jetzt die Sendung. Wie wir es schon am Anfang verraten haben, sprechen wir gleich noch mit unserem Coach Phillip. Und ich hoffe, dass der Stimmungsmacher von Sonic eure Stimmung ein bisschen gehoben hat.
David: Auch wichtig ist: Wir haben ja ganz am Anfang erwähnt, dass es ein Projekt zusammen mit der Hochschule Ansbach ist.
Lea: Deswegen ist jetzt ein Coach von uns im Studio.
David: Und den werde ich jetzt interviewen. Herzlich willkommen Phillip! Man hat ja schon viel von dir gehört – jetzt bist du endlich mal bei uns im Studio.
Philipp – Coach: Ich freue mich auch, hier zu sein.
David: Das ist doch sehr schön. Also gut, dann starten wir direkt mit den Fragen. Du warst ja seit Oktober unser Coach bei diesem Projekt. Was genau war deine Aufgabe?
Philipp – Coach: Anfangs haben wir erst mal darauf geschaut, euch abzuholen: Was Journalismus überhaupt ist und wie er funktioniert – also welche Formen es da gibt und wie man journalistisch arbeitet. Im Laufe des Projekts haben wir euch dann dahingehend gecoacht, dass ihr eure eigene Sendung produziert. Also eure eigenen Beiträge macht, Interviews führt und mit Expertinnen sprecht. Und ja, jetzt sind wir heute hier und eure erste Sendung steht.
David: Du hast ja gemeint, wir haben am Anfang über Journalismus geredet. Aber warum – ich verstehe es nicht ganz – sollte man in der Schule überhaupt über Journalismus reden?
Philipp – Coach: Ich finde, Journalismus ist eine sehr wichtige Tätigkeit. Man kann sie vielleicht dem Deutschunterricht unterordnen, aber es ist in den wenigsten Schulen selbst ein Fach. Es wird jedoch immer wichtiger, sämtliche Themen journalistisch abzudecken. Das liefert auch einen guten Einstieg für Leute, die später in so eine Richtung gehen wollen – egal ob über Podcasts, klassischen geschriebenen Journalismus oder eben Videojournalismus.
Brennpunkt: Brauchen wir noch Menschen oder übernimmt die KI?
David: Beim Journalismus gibt es natürlich auch Gefahren. Eine zukünftige könnte die KI sein. Da haben viele Leute Angst, dass die KI den Journalismus übernimmt. Was ist deine Meinung dazu?
Philipp – Coach: Das hört man öfter. Ich habe eher das Gefühl, dass man sich die KI zunutze machen kann, um sich unliebsame Aufgaben zu erleichtern und sie schneller abgearbeitet zu bekommen. Wenn wir uns aber das anschauen, was wir gerade machen – also ein Interview –, kann ich mir schwer vorstellen, dass das eine KI übernimmt. Das lebt ja davon, wer wen interviewt. Man muss Emotionen aus seinem Gegenüber lesen und passend reagieren. Da sehe ich den Menschen weiterhin vorne.
David: Also meinst du, KI ist quasi nur als Rechtschreibkorrektur da und den Rest macht der Mensch?
Philipp – Coach: Man hat schon gehört, dass für Spielberichte von Fußballspielen KI eingesetzt wird, um das Geschehen abzubilden. Ich sehe es also nicht nur als Rechtschreibhilfe. Im Projekt haben wir euch ja verschiedene Möglichkeiten gezeigt, wie man sie einsetzen kann. Man sollte sie eher als Begleiter und nützliches Tool ansehen.
Learning by Doing: Hügel, Fehler & Highlights
David: Und man sollte es natürlich nicht exzessiv benutzen. Kommen wir von der KI zurück zur Bildung. Denkst du, solche Projekte wie hier bei Rabbit Radio könnten öfter an Schulen stattfinden?
Philipp – Coach: Ja, mir hat vor allem der praxisorientierte Aufbau sehr gefallen. Auch zu sehen, wie ihr über das Projekt gewachsen seid und wie sich eure Medienkompetenz verbessert hat. In den ersten Sessions haben wir gefragt, was euch beschäftigt. Man hat von Monat zu Monat mehr gemerkt, wie ihr Spaß daran habt, gesellschaftliche Themen mitzuverfolgen und kritischer zu betrachten. Da sind über die Zeit viele Diskussionen entstanden und ich habe viel Wachstum gesehen.
David: Du hast erzählt, dass du uns viel beigebracht hast. Meinst du, dass ein paar von uns Vorwissen mitgebracht haben, das dich überrascht hat?
Philipp – Coach: Ich habe mir oft gedacht, dass es schon sehr gut klingt, wie verschiedene Leute vor dem Mikrofon sprechen. Die Hemmschwelle war schnell weg. Viele von euch haben ja auch privat Formate verfolgt, die journalistisch aufgebaut sind. Wenn man das konsumiert, entwickelt man fürs Selbermachen schon ein gewisses Gefühl dafür.
David: Meinst du, dass vielleicht auch Sachen nicht so rund gelaufen sind? Dass es irgendwo Hügel gab, die man nicht so leicht überspringen konnte?
Philipp – Coach: Klar gibt es Fehlerquellen, aber ich finde es wichtig, jeden Fehler einmal zu machen. Jedes Mal, wenn man in eine Falle tappt, merkt man sich das und setzt es beim nächsten Mal besser um. Das ist normal bei jedem Lernprozess.
David: Bei diesem ganzen Lernen kannst du dir da vorstellen, dass da vielleicht jemand wirklich die Lust entwickelt, später Journalismus zu machen?
Philipp – Coach: Also bei einigen von euch habe ich es mir tatsächlich immer sogar ein bisschen gewünscht.
Vor allem, wenn man ausgeprägte Interessen hat, gerade Nischenthemen, finde ich es immer sehr cool, wenn Leute sich dann hervortun und darüber anderen Leuten was erzählen. Zum Beispiel in Form von verschiedenen Beiträgen.
Aber letztendlich bleibt es euch überlassen, ob ihr jetzt nur auch einen Teil davon mitnehmt und das anderweitig später in eure Laufbahn irgendwie einfließen lasst.
Das Fazit: Ein Geben und Nehmen
David: Was war dein persönliches Highlight während des Projektes?
Philipp – Coach: Auf jeden Fall die Interviewführungen. Alles, was man euch beibringen musste, war die Bedienung der Zoom-Geräte, und dann hat der Rest wie von allein funktioniert. Auch beim Schneiden war ich überrascht, wie leicht ihr euch getan habt. Aber das ist wahrscheinlich die Medienkompetenz eurer Generation – ihr seht das Programm und es funktioniert oft intuitiv.
David: Ich hatte ja quasi mein Leben lang mit digitalen Sachen zu tun. Deshalb waren die Dinge am PC für mich keine große Herausforderung.
Philipp – Coach: Stimmt. Du hast mir sogar auch was beigebracht – das war ein Geben und ein Nehmen.
David: Kannst du Leuten, die Lust auf Journalismus haben, noch etwas mit auf den Weg geben?
Philipp – Coach: Ich würde ihnen raten, tief in sich hineinhören: Was gefällt einem selbst? Wo liegt die eigene Passion? Wenn man Interessen hat – egal wie nieschig sie erscheinen –, sollte man darauf hören. Im Bereich Gaming sehe ich zum Beispiel noch ein riesiges Feld, das journalistisch noch kaum abgedeckt ist. Das wird in Zukunft ein sehr interessantes Thema.
Mehr Beiträge aus der Sendung der FOS / BOS Triesdorf:
-
Schlösser, Markgrafen und Ackerbauschule: Die bewegte Geschichte Triesdorfs
Mehr als nur Kühe und Hörsäle: Triesdorf blickt auf eine fürstliche Vergangenheit zurück. Doch wie wurde aus einer barocken Sommerresidenz…
von
-
Zwischen Kontrolle und Empathie: Ein Justizvollzugsbeamter berichtet
Ein Job hinter Gittern – für viele unvorstellbar, für Justizvollzugsbeamte Routine. Doch wie schafft man den Spagat zwischen strikten Regeln…
von
-
„Niemand wird aus Spaß abhängig“ – Ein Blick hinter Recherche zur Drogenabhängigkeit von Jugendlichen
Drogenprobleme sind oft unsichtbar. Rukiye Kacmaz hat für ihre Recherche eine junge Frau getroffen, die anonym über ihre Sucht spricht.…
von
-
Sexuelle Gewalt – Erfahrungen, Folgen und Hilfe in Ansbach
Sexuelle Gewalt ist oft unsichtbar – auch in Ansbach. In diesem Beitrag bricht die Betroffene Anna ihr jahrzehntelanges Schweigen. Gemeinsam…
von
-
Internationales Agrarmanagement: Warum Triesdorf weltweit Studierende anzieht
Wie ist es, als internationale Studentin in Deutschland Fuß zu fassen? Polina aus Russland erklärt, warum sie an der Hochschule…
von
-
Hinter verschlossenen Türen: JVA-Direktor Thomas Vogt über Haftalltag und Menschenrechte
Im Interview spricht der Gefängnisdirektor der Justizvollzugsanstalt Nürnberg über den Alltag hinter verschlossenen Türen, die Herausforderungen des Strafvollzugs und warum…
von
-
Journalismus-Training und KI: Ein Blick in die Redaktion der Rabbit Radio Ai-School
Was passiert, wenn Schüler:innen die Redaktion übernehmen? In diesem Ausschnitt aus der Rabbit Radio Ai-School diskutieren David und Lea mit…
von
-
Sendung: Von Triesdorf bis hinter Gitter – Rabbit Radio School
Premiere bei Rabbit Radio: Die FOS Triesdorf übernimmt das Mikro! Ein Jahr lang haben Schüler:innen in unserem Projekt zu Medienkompetenz…
von









