Schultoiletten: Wie das Dürer-Gymnasium gegen Vandalismus kämpft

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Tomaten im Pissoir und Türen, die nicht schließen: Der Gang zur Schultoilette wird für viele Schüler am Dürer-Gymnasium zur Mutprobe. Während die Schulleitung TikTok-Challenges hinter dem Chaos vermutet, hoffen die Schüler auf eine baldige Sanierung. Younes El-Faham hat nachgefragt, wie es so weit kommen konnte.

Dieser Beitrag wurde von Schülern des Dürer-Gmynasiums Nürnberg im Rahmen eines einjährigen Projekts zum Thema Medienkompetenz gemeinsam mit Redakteur:innen von Rabbit Radio recherchiert und produziert. Er ist Teil einer ganzen von Schülern gestalteten Sendung.


Fäkalien an den Wänden, fehlende Klobrillen und Klotüren, die nicht zugehen. Aus diesen Gründen vermeide ich die Schultoiletten. Wer doch aufs Klo muss, ist diesen ekelhaften Zuständen ausgeliefert. Aber wenn alle unzufrieden sind, warum ändert sich dann nichts? Und wie schlimm ist der Zustand der Toiletten wirklich? Das habe ich unseren Schülersprecher gefragt:

„Misshandelte Pissoirs“: Die Bestandsaufnahme

Schülersprecher Lukas

Der Zustand der Toiletten ist definitiv alles andere als akzeptabel. Offensichtlich gibt es verschiedene Sachen, die an die Wände geschrieben werden. Die Türen und die Wände an den Toiletten sind oft beschädigt. Der Boden ist relativ nass, meistens von verschiedenen Sachen. Und die Pissoirs werden auch sehr oft misshandelt. Also da waren schon verschiedene Objekte drin. Da habe ich Vapes drin gesehen, ich habe Klobörsen drin gesehen, ich habe Tomaten drin gesehen.

Der Zustand der Toiletten ist also unzumutbar – so beschreibt es Schülersprecher Lukas – und auch ich teile diese Erfahrungen. Auch die Schulleitung scheint das Problem zu sehen. Immer wieder probiert sie verschiedene Methoden aus, die das Problem lösen sollen. Doch bisher mit eher mäßigem Erfolg:

Schülersprecher Lukas

Was die meisten kennen werden, ist der eine Tag, bei dem man seinen Namen notieren musste. Also man musste ins Sekretariat gehen, einen Zettel unterschreiben und dann einen Schlüssel abholen für die Toiletten. Und dann wurde auch immer wieder nachgeschaut, ob irgendwo vandaliert wurde, weil man dann nachtracken konnte, wer die Toilette verwendet hatte.

Wenn alle genervt sind – warum ändert sich nichts?

Doch auch während dieses eintägigen Testlaufs kam es zu Vandalismus. Der oder die Verursacher konnten nicht ermittelt werden. Das Experiment wurde daraufhin eingestellt. Wie lässt sich das Problem also lösen? Das wollte ich von Reiner Geißdörfer, dem Schulleiter des Dürer-Gymnasiums, wissen.

Reiner Geißdörfer – Schulleiter am Dürer-Gmynasium:

Wir haben die Eltern angeschrieben, wir haben die Schüler angeschrieben. Wir haben über die Lautsprecheranlage alle Schülerinnen und Schüler informiert, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Die Schultoiletten wurden tatsächlich in einer Art und Weise benutzt, die, man muss einfach sagen, ekelhaft war.

TikTok-Challenge als Auslöser?

Doch was bringt Schülerinnen und Schüler dazu, so mit den Toiletten umzugehen? Geißdörfer hat dazu eine Theorie:

Reiner Geißdörfer:

Wir hatten dann das Gefühl, das hat mit einer TikTok-Challenge zu tun, weil auch an vielen anderen Schulen die Rückmeldung kam, genau das Gleiche. Da wurden in Ecken gepinkelt und solche Sachen, wo du dich fragst, warum machen das welche. Offensichtlich hat man das gemacht, gefilmt und hochgeladen.

Ein Problem der Neuzeit?

Doch waren die Toiletten vor den TikTok-Challenges sauberer?

Reiner Geißdörfer:

Also auf jeden Fall. Wir haben von der Stadt Nürnberg die Rückmeldung, dass das Dürer-Gymnasium zu den Schulen gehört, wo wir den wenigsten Vandalismus finden – sowohl im Haus als auch in den Toiletten. Beschädigungen, die repariert werden müssen, oder Sonderreinigungen, die durchgeführt werden müssen, gibt es an anderen Schulen anscheinend immer schon – aber bei uns eigentlich weniger.

In der Vergangenheit waren die Toiletten – laut Geißdörfer – sauberer. Damit die Toiletten wieder so sauber werden wie früher, müssen die Schülerinnen, Schüler und die Schulleitung zusammenarbeiten. Das sehe aber nicht nur ich so, sondern auch der Schuldirektor:

Reiner Geißdörfer:

Die Toiletten müssen saniert werden. Das wird auch kommen. Wenn so eine Toilette von Haus aus veraltet ist, die Kabine nicht mehr schön sind, die Tür nicht mehr ordentlich schließen, wenn es müffelt, weil einfach es nicht mehr richtig sauber zu kriegen ist – klar, dann hat man auch keine Lust, die richtig sauber zu halten. Also, die Sanierung wird kommen.

Hoffnung auf Sanierung

Werden diese Sanierungen aber helfen?

Direktor Reiner Geißdörfer

Das ist immer so. Wenn eine Schultoilette neu und sauber ist, dann werden die Schülerinnen und Schüler, die als einen Ort wahrnehmen, wo man nicht sagt, ‚das ist ja eh alles irgendwie versifft. Da muss ich nicht aufpassen.‘ Wenn was neu ist, dann bemüht man sich auch, das neu zu halten.

Hinweis der Redaktion: Die Textfassung orientiert sich am gesendetem Radiobeitrag (siehe Audiofassung). Sie kann im Vergleich zur Audio-Version redaktionelle Kürzungen und Anpassungen zur besseren Lesbarkeit enthalten oder auch längere Passagen aus den Original-Interviewmitschnitten wiedergeben.