Friedrich Merz wurde im Zuge seiner Aussagen zum Stadtbild und zum Fall Collien Fernandes mehrfach „Femonationalismus“ vorgeworfen – aber was bedeutet der Begriff überhaupt?
Nationalismus statt Feminismus
Der Fall Collien Fernandez hat bundesweit für Aufruhr gesorgt. Auch im Bundestag wurde darüber gesprochen. Bundeskanzler Friedrich Merz löste mit seinem Statement dazu allerdings eine Welle der Empörung aus. Er meinte, es gebe „eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft. […] Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt.“ Aufgrund dieser Aussage wird Friedrich Merz jetzt erneut, wie schon nach seiner Stadtbild-Aussage, Femonationalismus vorgeworfen.

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Von Femonationalismus spricht man, wenn der Schutz von Frauen nur dann wichtig wird, wenn die Täter als vermeintlich fremd gelten. Oder aber: Wenn Gewalt so umgedeutet wird, dass sie in ein nationalistisches Weltbild passt. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern Feminismus und Nationalismus zusammen. Geprägt hat ihn die britische Soziologin Sara R. Farris. Eine femonationalistische Argumentation schreibt Übergriffe ausschließlich Männern mit Migrationsgeschichte zu. Altbekannte patriarchale Probleme lässt man dabei außen vor. Feminismus wird also instrumentalisiert, um Ausgrenzung zu rechtfertigen, statt die tatsächliche Gleichstellung aller Geschlechter voranzubringen.
Und genau deshalb wird Friedrich Merz kritisiert: Er lenkt den Blick vom Fall Collien Fernandes auf eine Gefahr, die von Migrant:innen ausgehe. Das malt ein sehr verzerrtes Bild. Stimmen die Vorwürfe, die Fernandez gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhebt, dann war der Täter nämlich kein Migrant, sondern Deutscher. Und außerdem ihr Ehemann. Schließlich zeigt der Fall von Collien Fernandes vor allem eines: Die größte Gefahr für Frauen steht nicht auf der Straße. Sie sitzt zu Hause.
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