Tausende Menschen versammelten sich auf der „Es-reicht“-Demo in Hamburg, um Solidarität mit Collien Fernandes zu zeigen und ein starkes Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen zu setzen.
Es reicht! Und Hamburg wird laut.
Tausende Menschen versammelten sich auf dem Hamburger Rathausplatz, um ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt an Frauen zu setzen. Die Demonstration entwickelte sich zu einer großen Kundgebung, bei der Wut, Solidarität und Forderungen nach Veränderung im Mittelpunkt standen. Trotz vorangegangener Drohungen trat Collien Fernandes überraschend auf die Bühne und richtete persönliche Worte an die Teilnehmenden.

Es reicht! International Feminism Only! Nicht alle Männer, aber das System!
Nur ein paar Schilder, die ich hier gerade gesehen habe, an dieser unglaublich wichtigen Demo heute hier in Hamburg. Ich glaube, man hört es um mich rum.
Es sind über 7500 Leute angemeldet und ich sehe, es sind eindeutig mehr. Diese Demo heute in Hamburg steht ganz von dem Motto: Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln.
„Denn wie viel Scheiße müssen wir tagtäglich ertragen. (Applaus) Wir sind Frauen, wir dürfen nicht wütend sein. Die Wut ist immer noch das Gefühl, welches uns nicht gehören darf und wir haben unsere Wut lange geschluckt um nicht zu laut, zu emotional und zu unbequem zu sein. Schluss damit, weil unsere Wut sie hat mit Leben zu tun! (Applaus)“
Eine Rednerin auf der Demonstration
Der aktuelle Fall um Collien Fernandes hat ganz Hamburg auf den Rathausplatz hier gebracht.
„Macht mal bitte, bitte lärm für Collien“
Die Moderatorin der Demonstration
Gerade ist Collien Fernandes doch auf die Bühne gekommen.
Sie hat eigentlich abgesagt, aber sie ist jetzt doch gekommen und ganz Hamburg flippt gerade richtig aus hier. Damit hat, glaube ich, niemand gerechnet, aber trotz Morddrohungen steht sie jetzt auf der Bühne und möchte die Worte an Hamburg richten.
„aber ich schaffe es gerade nicht“
Collien Fernandes
Collien hat gerade Tränen in den Augen und muss gerade die richtigen Worte finden.
„Glaube, wir müssen uns nicht wundern, wie über dieses immense dunkle Feld. Nur fünf Prozent der partnerschaftlichen Gewalt wird angezeigt. Nur zwei Komma vier Prozent der digitalen Gewalt. Und ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste und mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme. Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht haben, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan. Und das heißt ja immer, er hat die Eier, dies und jenes zu machen. Das steht so synonym für Mut und ich frage mich, wenn man die Eier hat, seine Frau digital zu missbrauchen, seine Frau gegen die Wand zu hauen oder was auch immer, warum hat man dann nicht die Eier zu sagen, ja ich war das, ja ich hab das getan.“ (Applaus)
Collien Fernandes
Ich such mal ein paar Leute, die ich fragen kann, warum sie heute hier sind. Was deine Beweggründe waren, hier heute herzukommen und mit zu demonstrieren?
„Ich bin Paula und 25 Jahre alt und ich bin hier, weil ich das Gefühl habe, man muss eigentlich hier sein. Es gibt keine andere Wahl. Es ist krass, dass 2026 wir alle noch hier sein müssen, aber ich glaube, es ist unfassbar wichtig, dass sich endlich was tut, sowohl gesellschaftlich, aber auch bei den Gesetzen.“
Paula Teilnehmerin an der Demonstration
„Ich bin Len, ich bin 27 und ich bin heute hier, weil es in meinen Augen sehr sinnvoll ist, dass man den Leuten um einen rum allein schon zeigt, dass man dafür ist. Vor allem, wenn es ein wichtiges Thema ist, was prozentual sehr viele Frauen betrifft und man so zeigen kann, dass man das nicht ignoriert.“
Len Teilnehmer an der Demonstration
„Ich bin Nele und ich finde es wichtig hier zu sein, weil einfach immer noch viel, viel zu wenig passiert. Sei es generell, was die Gleichberechtigung der Frauen angeht, was eben Täterschutz angeht oder beziehungsweise zu wenig Opferschutz.„
Nele Teilnehmerin an der Demonstration
Was steht denn auf deinem Schild?
„Es reicht!“
Nele Teilnehmerin an der Demonstration
Auf die Bühne kommt jetzt Luisa Neubauer. Man kennt sie aus der Umweltbewegung Fridays for Future und spricht heute hier auch in Hamburg.
„So nämlich, so machen wir das hier. Letzte Woche hat mich ein Mann im Internet gefragt, ob ich mich nicht einfach nur um das Klima kümmern kann. Ich habe gesagt, nichts lieber als das. Ich habe überhaupt keine Zeit fürs Patriarchat. Niemand von uns hat Zeit fürs Patriarchat. Man lässt uns nur keine Wahl. (Applaus) Was zur Hölle muss denn noch passieren? So viele Frauen haben sich von Collien inspiriert und in den letzten Wochen zu Wort gemeldet. Ich bin eine davon. Und was einer Frau passiert, egal wie bekannt oder unbekannt, das meint alle anderen mit. Wir sind Spiegel füreinander. Was zur Hölle muss denn noch passieren? Was zur Hölle muss denn noch passieren, damit unser eigener Kanzler ein einziges Mal sagt, ich sehe euch, ich höre euch, ich stelle mich vor euch, hinter euch, neben euch. Was muss denn noch passieren?“ (Applaus)
Luisa Neubauer Rednerin
„Wir sind auch keine 15.000 Menschen. Wir sind sage und schreibe 22.000!„
„Ich bedanke mich bei euch allen, die hier heute gemeinsam für Collien, für uns und für all die anderen dieses richtige Zeichen setzen konnten.„
Moderatorin der Demonstration
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