„Ich will Feuerwehrmann werden!“ Diese Aussage hört man oft von Kindern. Doch wie viele Mädchen träumen davon, Feuerwehrfrau zu sein? In vielen Städten sind Frauen bei der Berufsfeuerwehr noch immer selten. Auch in Nürnberg: Von allen Einsatzkräften sind nur zwei Frauen im aktiven Dienst – eine davon ist Chiara Fröhlich.
Die 27-jährige Brandmeisterin und Notfallsanitäterin Chiara Fröhlich arbeitet als einzige Frau in ihrer Abteilung an der Feuerwache 1 in Nürnberg. Im Interview erzählt sie, wie es ist, diesen Job als Frau auszuüben, welche Herausforderungen der männerdominierte Alltag mit sich bringt – und wie sich das mit ihrem Leben als Mutter eines einjährigen Sohnes vereinen lässt.

Bild von Mariami Berelidze
Berufsalltag einer Feuerwehrfrau zwischen Teamarbeit und Männerdomäne
Was sind deine Stärken, die dir im Berufsleben helfen?
Chiara Fröhlich: Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch. Das hilft mir im Einsatz. Ich bin zuverlässig, was bei der Feuerwehr sehr wichtig ist. Außerdem bringen Frauen oft viel Empathie mit, besonders in Ausnahmesituationen.
Wie ist das als Frau, in einem traditionell männlich geprägten Beruf zu arbeiten?
Chiara Fröhlich: Am Anfang gab es viele Berührungsängste, vor allem bei den männlichen Kollegen. Als sie gemerkt haben, dass wir mit anpacken und keine Sonderbehandlung wollen, wurden wir gut ins Team aufgenommen. Letztlich ist es eine Frage der Anpassungsfähigkeit.
Gibt es heute noch Herausforderungen oder läuft alles reibungslos?
Chiara Fröhlich: Das wäre gelogen. Es gibt immer noch Herausforderungen, vor allem im aktiven Ausrückedienst. Als Neuankömmling-Frau muss man sich noch mehr beweisen, um auf bestimmte Fahrzeuge eingesetzt zu werden.
Dienstablauf und Besonderheiten
Was ist das Besondere an deinem Beruf?
Chiara Fröhlich: Das Besondere am Beruf ist der 24-Stunden-Dienst. In dieser Zeit sind wir komplett von der Familie getrennt und haben bei der Feuerwehr eine Art Zweitfamilie. Wir kommen in echte Ausnahmesituationen und arbeiten dabei eng als Team zusammen.
Wie sieht so ein typischer Dienst für dich aus?
Chiara Fröhlich: Tagsüber haben wir einen normalen Bürodienst im Sachgebiet. Ich arbeite sowohl im Büro als auch in der Aus- und Fortbildung im medizinischen Bereich. Kommt ein Einsatz, rücken wir aus und nehmen danach unsere Arbeit wieder auf.
Prägende Einsätze und Ängste
Triggerwarnung: Im folgenden Teil des Interviews werden sensible Themen (u. a. Suizid) angesprochen
Welcher Einsatz ist dir besonders im Kopf geblieben?
Chiara Fröhlich: Ein Patient hat Suizid begangen, und seine vierjährige Tochter hat ihn aufgefunden. Ich habe das Kind fünf Stunden betreut. Obwohl wir bei diesem Patienten nichts mehr tun konnten, war der Einsatz sehr bewegend, weil ich eine emotionale Bindung zu der Tochter aufgebaut habe. Ich denke noch oft daran, wie es ihr geht, weil wahrscheinlich weder ich noch sie die Bilder aus dem Kopf bekommen können.
Gibt es etwas, wovor du während eines Einsatzes Angst hast?
Chiara Fröhlich: Die Angst, nicht gesund zurückzukommen, ist immer da. Man weiß nie, was einen im Einsatz erwartet, vor allem bei unklaren Lagen oder Bränden.
Feuerwehrfrau und Mutter
Hat sich die Sichtweise auf den Beruf geändert, seitdem du Mutter geworden bist?
Chiara Fröhlich: Ich finde es jetzt noch cooler, Feuerwehrfrau zu sein. Mein Sohn findet es super, dass Mama bei „Tatütata“ ist. Gleichzeitig ist die Angst, nicht heimzukommen, immer da. Ich möchte mein Kind nicht nur aufwachsen sehen, sondern es auch beschützen. Dabei frage ich mich oft, wie weit ich das erfüllen kann, wenn ich andere Menschen rette. Nach der Feuerwehr kommt niemand mehr.
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