Warum nennt man den Wöhrder See plötzlich „Södersee“? Trashperle-Gitarristin Lena spricht im Studio über politische Seitenhiebe, zwei Jahre Arbeit für einen Song und warum der Band-Gruppenchat die größte Hürde für eine Punkband ist.
Dieser Beitrag wurde von Schülern des Dürer-Gymnasiusm in Nürnberg im Rahmen eines einjährigen Projekts zum Thema Medienkompetenz gemeinsam mit Redakteur:innen von Rabbit Radio recherchiert und produziert. Er ist Teil einer ganzen, von Schülern gestalteten Sendung.
Hinweis: Das Gespräch wurde im Text von der Redaktion gekürzt. Die Originalfassung findet sich im Audioplayer oben.
Marvin: Wir haben die Gitarristin von Trashperle, Lena, hier bei uns im Studio zu Gast. Lena, hattest du heute Morgen Bock aufzustehen?
Lena: Ehrlich gesagt nicht so richtig, aber ich bin auch ein Morgenmuffel, deswegen ist es meistens ein bisschen schwer für mich.
Marvin: Ihr seid ja eigentlich zu viert in der Band. Kannst du euch kurz vorstellen?
Lena: Voll gerne. Maria spielt Querflöte und noch andere Instrumente auf der Bühne. Ich bin Lena und spiele Gitarre. Anka ist an den Drums und Karina spielt Bass bei uns.
Marvin: Wie habt ihr vier euch denn getroffen und wie ist es dazu gekommen, dass ihr eine Band wurdet?
Lena: Wir kannten uns alle schon besser oder schlechter über die Musikhochschule oder vom Musikmachen. Dann gab es ein Workshop-Wochenende in Fürth. Anka wollte dort etwas performen, aber nichts im Singer-Songwriter-Stil, sondern etwas Lauteres. Sie hat mich gefragt, ich habe Karina gefragt und Karina hat Maria gefragt. Wir hatten damals erst drei Songs und haben die in unserem Set einfach zweimal gespielt. Es war ein bisschen chaotisch, aber es hat irre Spaß gemacht – und dann haben wir einfach weitergemacht.
Marvin: Habt ihr auch andere Sachen oder Jobs, die ihr noch nebenbei macht?
Lena: Maria studiert Querflöte im Master in Köln, sie ist der Profi unter uns. Karina arbeitet als Musikpädagogin, Anka ist viel mit ihrer anderen Band unterwegs und ich bin Sozialpädagogin. Wir haben alle viele andere Baustellen, was es manchmal schwer macht, Gigs zu ermöglichen. Aber ich genieße es sehr, samstags nach einer Fünf-Tage-Woche auf einer Bühne zu stehen. Das ist ein schöner Ausgleich.
„Urlaub am See“: Ein politischer Seitenhieb
Marvin: Wir wohnen ja auch in Nürnberg und kennen den Wöhrder See – Urlaub würden wir da jetzt nicht unbedingt machen. Wie seid ihr auf den Song gekommen?
Lena: Das ist schon ein Ticken ironisch gemeint. Uns hat es nicht so gepasst, dass der See „Södersee“ genannt wird. Das ist natürlich ein kleiner politischer Hint an der Stelle.
Marvin: Markus Söder sagt ja, dass der Wöhrder See ein Herzensprojekt von ihm ist.
Lena: Ich lass’ das mal so stehen. Der Song spricht für sich, da darf sich jeder selbst eine Meinung bilden.
Marvin: Habt ihr manchmal Angst vor Kritik, wenn ihr eure Stimme politisch für etwas einsetzt?
Lena: Angst habe ich bisher nicht. Viele unserer Lieder sind auch einfach voll albern. „Urlaub am See“ ist politisch aufgeladen, aber es ist nicht unser Hauptanliegen, eine „krass politische Band“ zu sein. „Urlaub am See“ zeigt eben unsere Meinung.
„Das Nervigste ist der Gruppenchat. Absprachen treffen, sich abstimmen müssen, die Orga… das ist schon mal sehr nervig. Das Schönste ist wirklich einfach das zusammen Musik machen.“ — Lena über das Band-Leben
Songwriting und die neue EP „Rauschen“
Tim: Wie entstehen die Songs bei euch? Wo findet ihr eure Inspiration?
Lena: Wir schreiben alles zusammen. Oft kommt jemand mit einer Melodie oder einem Textfragment rein und dann wird gebrainstormt. Wir feilen so lange an Übergängen und Ideen, bis alle glücklich sind. Das kann dauern, weil wir auch kritische Stimmen in der Band haben, was das Ergebnis aber tendenziell besser macht.
Tim: Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Song?
Lena: Von der Idee bis zum Song geht es flink, aber bis er aufgenommen ist, dauert es sehr lange. Studiozeit ist teuer und aufwendig. Bei „Kein Bock“ hat es von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung fast zwei Jahre gedauert. Jetzt erscheint aber endlich unsere EP „Rauschen“.
Live auf der Bühne: Traumkonzerte und Rituale
Tim: Wie gefällt euch das, Konzerte zu geben? Und wie sieht eure Vorbereitung aus?
Lena: Wir proben und stellen uns seelisch auf den Gig ein. Vorher umarmen wir uns immer alle noch mal kurz. Am schönsten ist es, wenn die Leute tanzen.
Tim: Wie sähe euer persönliches Traumkonzert aus?
Lena: Anka würde super gerne mal auf dem Konrad-Festival in der Fränkischen Schweiz spielen. Ich fände es toll, mal Vorband von größeren Punkbands wie Akne Kid Joe oder Team Scheiße zu sein. Am allerschönsten ist es wenn Leute tanzen, egal ob es 10 sind oder 1000.
Tim: Wir hören jetzt den Song „Wunderwunden“. Kannst du uns die Geschichte dahinter erklären?
Lena: Der Song spiegelt für mich das Zusammengehörigkeitsgefühl wider, das wir als Band oder Gemeinschaft haben. Wir haben dazu ein Video mit den Snyders Sisters gemacht, einem Skate-Kollektiv aus Nürnberg. Das Video ist richtig süß geworden, schaut es euch gerne an!
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