Corona, Schulstress, Social Media – der Druck auf junge Menschen war selten so hoch wie heute. Fast jeder zweite Jugendliche berichtet von psychischen Belastungen. Doch ab wann wird aus normalem Pubertäts-Stress eine ernsthafte Störung? Onuralp Akbey und Marwin Bold haben mit Expertinnen aus Praxis und Forschung darüber gesprochen, wie man Warnsignale erkennt und warum Scham…
Dieser Beitrag wurde von Schülern des Dürer Gymnasiums in Nürnberg im Rahmen eines einjährigen Projekts zum Thema Medienkompetenz gemeinsam mit Redakteur:innen von Rabbit Radio recherchiert und produziert. Er ist Teil einer ganzen von Schülern gestalteten Sendung.
Die Corona-Pandemie und die zeitgleiche Isolation und das Homeschooling hatten uns Schüler ab 2020 für zwei Jahre im Griff. Doch auch wenn wir jetzt frei von den Einschränkungen des Virus sind, spüren wir dennoch bis heute den Effekt. Laut dem Deutschen Ärzteblatt hat seit der Pandemie fast die Hälfte der Jugendlichen und Kinder psychische Probleme. Schulpsychologin Sabine Schlögel beobachtet das auch bei ihren Schülern.
Die sozialen Folgen der Isolation
Sabine Schlögl (Schulpsychologin)
Die Häufung nach Corona ist ganz deutlich im Sozialen. Soziale Ängste und Prüfungsängste – also der Umgang mit schwierigen Situationen. Diesen habt ihr nicht üben können während der Corona-Zeit.
Während der Pandemie haben die sozialen Medien jungen Menschen im Umgang mit Isolation und Einsamkeit geholfen. Allerdings können sie den mentalen Zustand von Jugendlichen auch verschlechtern. Das erklärt uns auch die wissenschaftliche Mitarbeiterin Malin Hager. Sie ist im psychologischen Lehrstuhl der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Malin Hager (FAU Erlangen-Nürnberg)
Wenn ich mich total in eine Welt zurückziehe und alles andere irgendwie vernachlässige, was problematisch ist. Wenn ich irgendwie Social Media nutzte, weil ich gerne mit meinen Leuten in Kontakt bleibe.
Soziale Medien wie WhatsApp oder Instagram können aber leider auch zum Mobbing genutzt werden – und das verfolgt Jugendliche oft bis in ihr eigenes Zuhause. Deshalb ist es besonders wichtig, die psychischen Folgen genau zu betrachten. Doch welche Probleme treten bei jungen Menschen dabei häufig auf?
Häufige Störungsbilder bei Jugendlichen
Malin Hager:
Was wohl am häufigsten vorkommt an den Störungen, sind Angststörungen, würde ich sagen. Depressive Störungen. ADHS ist auch noch häufig, würde ich sagen. Und vielleicht Essstörungen.
Alle psychischen Probleme kommen mit ihren eigenen Symptomen und Anzeichen. Es gibt aber manches, auf das man laut Schlögl im Allgemeinen achten kann:
Sabine Schlögl:
Wenn ein Kind, das vorher sehr viel mit Freunden gemacht hat und sich zurückzieht, muss man Acht geben, muss man draufschauen. Und im umgekehrten Fall natürlich auch.
Dabei ist zu beachten: Viele Verhaltensänderungen haben mit der Pubertät zu tun, doch wenn es schnell und drastisch passiert, muss Acht gegeben werden. Wenn Verdacht auf psychische Probleme geschöpft wird, ist es wichtig, mit der betroffenen Person das offene Gespräch zu suchen, wie Hager erklärt:
Kommunikation und Autonomie
Malin Hager:
Gerade bei Jugendlichen ist vielleicht doch auch die Abwägung zwischen Autonomie, also, dass man trotzdem nicht alles vorschreibt oder irgendwie verbietet oder sowas, sondern dass man da offen kommuniziert und Unterstützung anbietet. Vielleicht auch gemeinsam dann Unterstützung sucht.
Wenn das Reden mit einer Vertrauensperson nicht ausreicht, sollte auch professionelle Hilfe gesucht werden. So empfiehlt Malin Hager:
Malin Hager:
Es gibt auch viele Beratungsstellen, an die man sich wenden kann. Also wo auch zum Beispiel anonym dann in Chats beraten wird, wo auch Fachpersonal sitzt.
Wie zum Beispiel die Website der Telefonseelsorge und die bke-Jugendberatung. Viele Jugendliche sind in dieser Situation unsicher. Es fällt ihnen schwer, sich das einzugestehen. Einige empfinden auch Scham. Dabei sind psychische Probleme für Hager nichts, für das man sich schämen muss.
Malin Hager:
Und da würde ich einfach ermutigen zu sagen, dass das irgendwie ganz normal ist.
Fakt ist, mentale Gesundheit sollte, so wie auch körperliche, immer ernst genommen werden. Es gibt auch Hilfsangebote für akute Notfälle, wie die Nummer gegen Kummer oder die Telefonseelsorge.
Sabine Schlögl:
Das ist das Allerwichtigste. Holt euch Hilfe, wenn irgendwie mentale Belastungen auftreten.
Wichtige Anlaufstellen für Jugendliche:
- Nummer gegen Kummer: 116 111 (kostenlos & anonym)
- Telefonseelsorge: 0800 1110111 oder 0800 1110222
- bke-Jugendberatung: Online-Chat und Foren für Jugendliche
Mehr Beiträge aus der Sendung des Dürer-Gymnasiums:
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„Am häufigsten kommen Depressionen, Angsstörungen und Essstörungen bei Jugendlichen vor.“
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