Die SpVgg Ansbach baut eine neue, überdachte Tribüne im Xaver-Bertsch-Sportpark – pünktlich zur Rückrunde im März fertig.

Foto: Timm Nägele
35. Spielminute. Ein Ball fliegt vom Sportplatz über die Trainerbank und einen Zaun auf eine Baustelle. Als Kind beim Kicken mit Freunden komplett normal. Jemand ruft „Schütze holt“, der Schütze holt und nach ein paar Minuten geht’s weiter. Im Xaver-Bertsch-Sportpark kann es Ende November nur Sekunden später mit einem Ersatzball weitergehen. Ein Spieler im gelben Trikot wirft ein. Einer im Grünen fängt den Einwurf ab. Der verlorene Ball wird nach dem Spiel geholt. Regionalligasamstag in Ansbach. Die heimische Spielvereinigung spielt dort das letzte Spiel vor der langen Winterpause gegen die DJK Vilzing.
Die Heimat der grün-weißen Ansbacher wird umgebaut. Eine neue überdachte Tribüne soll an der Ostseite entstehen. Aufgrund der Baustelle ist der Eintritt an diesem Samstagmittag frei. Bei sieben Grad Außentemperatur, die sich deutlich kälter anfühlen, verteilen sich 632 Zuschauer auf das restliche Stadion.
In der Nacht hat es geregnet. Einige Spiele der Liga wurden wegen schlechter Platzverhältnisse abgesagt. In Ansbach wird pünktlich um 13:00 Uhr angepfiffen. Der Platzwart hat gute Arbeit geleistet. Von der Pressetribüne aus sieht man anstelle der Gegentribüne und Spielstandanzeige heute einen Kran und Bagger. Dahinter perfekte Sicht auf die Sprungtürme und Rutschen des lokalen Freibades. Im Auswärtsbereich liegt Bauschutt.

Foto: Timm Nägele
Vilzing gegen Ansbach, das heißt: Elfter gegen Zwölfter, 24 zu 23 Punkte. Aussichten auf eine ausgeglichene, aufregende Partie in der Regionalliga Bayern. Der Anfang gehört klar den Gästen, aber die Ansbacher kommen immer besser in die Partie und versuchen oft mit langen Bällen Angreifer Patrick Kroiß in Szene zu setzen. Ohne Erfolg.
1100 Plätze, Dach und Kiosk – so soll die neue Tribüne aussehen
Eindrucksvoll in Szene setzen kann sich hingegen ein Kran. Er thront regelrecht über dem Spielfeld. Die Tribüne, die mit seiner Hilfe erbaut werden soll, wird knapp über 1100 Plätze haben, eine Toilettenanlage, Kiosk und ein Dach. Dessen Fläche sowie die des Vereinsheimes werden in Zukunft von den Stadtwerken gemietet. Darauf sollen Photovoltaikanlagen aufgebaut werden. Die Miete dafür übernimmt den Großteil der Darlehensrate. „Zusätzlich gibt es noch Sponsoring von den Stadtwerken und der Sparkasse. Das fließt quasi alles in die Begleichung des Darlehens“, so Andreas Görmer, Vorstand Finanzen der SpVgg Ansbach. „Damit können wir das für den Verein komplett kostenneutral gestalten.“
Anders war es beim Bau der Flutlichtmasten, die seit Sommer 2025 die Ecken des Xaver-Bertsch-Sportparks verschönern. Seit der laufenden Saison werden sie von der Liga vorgeschrieben. Etwa 280.000 € haben sie gekostet. Die Kosten musste die Spielvereinigung aus dem laufenden Haushalt finanzieren. „Da können wir keine Werbung anbringen. Das kostet uns nur Geld, bringt uns aber nichts“, so Görmer.
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Vilzing agiert mittlerweile deutlich gefährlicher. In der 25. Minute muss Ansbachs Schlussmann Schiefer nach einer Ecke einen Kopfball übers eigene Tor lenken. Sechs Minuten später fällt dann aber das verdiente Tor für die Gäste. Haas legt den Ball am Ansbacher Schlussmann vorbei und muss ihn nur noch einschieben. Kurz danach landet der erste Ball auf der Baustelle.

Foto: Timm Nägele
Zukünftig sollen die Trainerbänke dort stehen, wo der Ball gelandet ist. Nach englischem Vorbild integriert in die Tribüne. Dahinter vier Reihen überdachte Sitzplätze. Wahrscheinlich in Zukunft die besten Plätze des Sportparks. Der Rest der Gegengerade soll auf sieben Stufen Platz zum Stehen bieten. Der hohe Zaun, der bislang die Sicht einschränkte, wird oberhalb der Werbebande entfernt. Noch mehr Spielfeldfeeling also. Kurz vor der Halbzeit hält der Zaun noch ein letztes Mal einen Ball davon ab, auf die Baustelle zu springen.
Schon zum Rückrundenstart im März fertig?
Zur Halbzeit wechselt der Ansbach-Trainer Niklas Reutelhuber doppelt. Nur zwei Minuten später dann der dritte Wechsel. Tom Abadjiew verlässt unter Applaus ein letztes Mal das Spielfeld im Xaver-Bertsch-Sportpark. Siebeneinhalb Jahre hat er im grün-weißen Trikot gespielt, 178 Pflichtspiele. Jetzt will er seine höherklassige Karriere beenden. Viele Impulse von den eingewechselten Hayer, Landshuter und Nuhanovic gibt es nicht. Das Spiel wird jetzt regelrecht von den Gästen dominiert.

Foto: Timm Nägele
Ursprünglich sollte die Tribüne zum Rückrundenauftakt im März fertig sein. Andreas Görmer will sich aber nicht festlegen, wann sie eröffnet wird. Je nachdem, wie kalt der Winter bleibt, könne es sich verzögern. „Ich sehe Mitte April schon realistisch“, so der Ansbacher, „und das wäre dann schon Rekordzeit.“
Sportlich hat die zweite Halbzeit wenig zu bieten. Das größte Highlight ist lange Zeit, wie ein Ball der Vilzinger auf der Baustelle landet. Auf dem Rasen machen die Gelben in der Schlussphase alles klar: In der 78. Minute trifft Weber zum 0:2. In der 89. Minute erzielt Andreas Jünger den 0:3 Endstand. Mit dem letzten Treffer des frühen Nachmittags macht sich ein großer Teil der 632 Zuschauenden schon auf den Heimweg. Verübeln kann man es ihnen nicht. Es ist nass, kalt und die Spielvereinigung hat kein gutes Spiel gezeigt. Dann doch lieber pünktlich zur Bundesligakonferenz vor dem Fernseher sein.
Langfristige Zukunft in der Regionalliga durch Jugendarbeit?
Mit der Hinrunde kann die Spielvereinigung trotzdem zufrieden sein. Nach 19 Spielen stehen 23 Punkte auf dem Konto. 8 Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone. Mit einem der kleinsten Etats der Liga ist das eine ordentliche Leistung. Den finanziellen Nachteil gleichen die 09er aus, indem sie auf ihre Jugendarbeit setzen. Rund 70 Prozent der ersten Mannschaft hat dort schon gespielt.
Vor dem Rückrundenstart der Regionalliga, absolviert die SpVgg noch Testspiele in Ansbach:
10.02.2026 19:00 Uhr
SpVgg Ansbach – ASV Neumarkt
14.02.2026 13:30 Uhr
SpVgg Ansbach – SpVgg Bayreuth
Bestes Beispiel dafür ist der aktuelle Abwehrchef Eric Weeger. Bis er 14 war, spielte er in den Ansbacher Jugendmannschaften. Dann der Wechsel zu 1860 München. Bei den Löwen schaffte er es bis in die erste Mannschaft und somit in die 3. Liga. Seit 2020 läuft er wieder für Ansbach auf und erreichte mit ihnen 2022 den Aufstieg in die Regionalliga.

Foto: Timm Nägele
Auch Björn Angermeier begann in der Ansbacher Jugend. Mit 17 Jahren dann der Schritt in den Herrenbereich der Fortuna Neuses. Bezirksliga. Im Sommer 2024 der Wechsel zurück nach Ansbach. In seinem ersten Regionalligajahr noch sporadisch als Joker eingesetzt, ist der 23-Jährige diese Saison nicht mehr aus der ersten Elf wegzudenken.
Dank der starken Jugendarbeit hofft Andreas Görmer, den Verein auch langfristig weiterzuentwickeln. „Sky is the limit.“ Die U19-Mannschaft spielt um den Aufstieg in die Bayernliga mit. Zweitklassigkeit also. Starke Gegner wie die Würzburger Kickers oder Wacker Burghausen würden auch schon im Jugendbereich warten. „Dieses Niveau hilft natürlich der Entwicklung unserer Jugend massiv weiter“, so Görmer. Die Tabellenspitze haben die Junioren inne, auf den zweiten Platz ist ein Polster von 5 Punkten aufgebaut. Für Görmer steht also fest, Sorgen um einen baldigen Abstieg der ersten Mannschaft muss er sich nicht machen: „Unser Konzept fruchtet. Da heben wir uns ab in der Liga.“
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