Die Wasserhelden in Ansbach sind ein inklusives Schwimmprogramm des TSV 1860 Ansbach, das Kindern und Jugendlichen mit körperlicher oder geistiger Einschränkung das Schwimmen ermöglicht.
Inklusives Schwimmen für alle
Wasserrauschen, Sprung ins Wasser
Es ist Donnerstag Nachmittag, im Aquella in Ansbach findet gerade das Training der Wasserhelden statt. Das Motto „Schwimmen macht Spaß“ wird hier gelebt. Die Trainingsgruppen sind ein Angebot des TSV 1860 Ansbach. Sie sind speziell für Kinder und Jugendliche mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, sowie deren Geschwister, konzipiert. Hier können sie das Schwimmen erlernen und trainieren, und das in ihrem ganz eigenen Tempo. Im vergangenen Jahr wurden die Wasserhelden mit dem Inklusionspreis des Bezirks Mittelfranken ausgezeichnet. Doch was macht diese Trainingsgruppen so besonders?
Helmut Korb: Was uns ganz wichtig ist, ist Zeit. Weil die meisten Kinder, die bei uns anfangen, mehr Zeit brauchen, um auch einfach schwimmen zu lernen, als vielleicht in einem zehnwöchigen oder zwölfwöchigen Kurs in einer Schwimmschule.
Helmut Korb ist Trainer und Organisator der Wasserhelden. Zusammen mit seiner Frau Susanne gründete er die Trainingsgruppe im Jahr 2021. Besonders im Bereich Inklusionssport erkannten sie einen großen Bedarf in der Region und entschlossen sich dazu, mit der Hilfe des TSV ein entsprechendes Angebot ins Leben zu rufen.
Helmut Korb: Dadurch, dass wir früher auch eine Schwimmschule hatten und unser Sohn, der selber eine schwere geistige Behinderung hat, es liebt, im Wasser aktiv zu sein, war für uns dann eigentlich naheliegend, dass wir auch ein inklusives Schwimmangebot starten.
Spielerisches Lernen seit 2021
Das erste Training fand im Juli 2021 statt. Aus einer Gruppe von acht Kindern und drei Trainern entwickelte sich bis heute eine Schwimmabteilung mit über 100 Kindern und Jugendlichen. Sie trainieren größtenteils in Kleingruppen, angepasst an die Fähigkeiten und Stärken der Kinder. So auch Lukas, der neunjährige schwimmt bereits seit etwa neun Monaten bei den Wasserhelden.
Lukas: Das ist richtig toll, dass wir auch neue Sachen lernen zum Schwimmen, und ich freue mich immer hierherzukommen.
Der Spaß steht bei den Wasserhelden immer im Vordergrund. Besonders bei den jüngeren Kindern versuchen die Betreuer, das Lernen spielerisch zu gestalten. So werden die Kinder langsam ans Schwimmen herangeführt und bleiben motiviert.
Helmut Korb: Gut Lukas, genau, große Bewegungen, viel Wasser nach hinten schieben, schön gleiten. Genau, das sieht super aus, sehr gut Lukas, genau.
Bei sechs Kindern arbeiten die Trainer sogar in einer eins-zu-eins Betreuung. Dabei geht es laut Helmut Korb nicht nur um das Schwimmen an sich. Die Methode verfolgt auch einen therapeutischen Ansatz, um den Kindern Bewegung zu ermöglichen. Die Begeisterung, die das Schwimmen bei den Kindern auslöst, sei für ihn der schönste Aspekt des Trainings.
Helmut Korb: Für viele, die eine Behinderung haben, ist die Aktivität im Wasser sehr, sehr wichtig. Gerade unser Sohn, wenn der im Wasser ist, der geht einfach voll ab. Also das ist für ihn das Größte, das Highlight der ganzen Woche.
Wasserhelden mischen bei den Special Olympics mit
Wenn die Kinder und Jugendlichen wollen, können sie auch auf Schwimmfeste oder zu Wettkämpfen fahren. Seit drei Jahren nehmen sie auch an den Special Olympics teil. Hier treten Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung an. Als letztes Jahr in Erlangen die bayrischen Sommerspiele der Special Olympics stattfanden, waren die Wasserhelden mit gleich 16 Teilnehmern am Start.
Helmut Korb: Das lief auch sehr, sehr toll. Wir haben es am Ende auch geschafft, dass jedes Kind mindestens eine Medaille gewonnen hat. Was natürlich für uns als Trainerteam ganz toll war. Dass jedes Kind mit dieser Anerkennung nach Hause gehen konnte.
Im Juni geht es für sechs der Kinder und Jugendlichen weiter ins Saarland, dort finden die bundesweiten Special Olympics statt. Dafür wird schon jetzt fleißig trainiert, alle freuen sich auf die Erfahrung. Langfristig hat Helmut Korb dann noch eine andere Veranstaltung im Blick.
Helmut Korb: Nächstes Jahr finden die Weltspiele in Chile statt. Wer weiß, also zwei unserer Schwimmer, also ein Schwimmer, eine Schwimmerin, auch ich als Trainer, haben da Interesse dran. Die Plätze, die es für Deutschland gibt, sind, glaube ich, nur sechs Stück. Von dem her wird es nicht so einfach, da ins Team zu kommen. Aber wer weiß, vielleicht gelingt es ja auch und wir können sogar noch zu den Weltspielen gehen.
Jubiläum im Sommer: 5 Jahre Wasserhelden
All diese Wettkämpfe sind aber nicht das Hauptziel der Wasserhelden. In erster Linie sollen alle Teilnehmer Spaß an der Bewegung im Wasser haben. Im Juli feiern sie außerdem ihr fünfjähriges Jubiläum. Gleichzeitig feiert die klassische Schwimmabteilung des TSV ihr 80-Jähriges Bestehen. An einem Wochenende soll daher ein 24-Stunden-Schwimmen im Aquella veranstaltet werden, bei dem jeder so viel Schwimmen kann, wie er will.
Helmut Korb: Es soll wirklich die Möglichkeit sein, für jeden teilzunehmen. Unter dem Motto „Schwimmen für alle, wirklich alle“, wollen wir diese Veranstaltung auf die Beine stellen und ein großes, inklusives Event machen.
Auf dieses Jubiläum sollen, wenn es nach den Trainern und Betreuern geht, noch viele weitere folgen. Die Kinder fühlen sich hier auf jeden Fall sehr wohl.
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