Vier Stunden Dauerparty, Bierdunst in der Luft und Männer, die Pfeile auf eine Scheibe werfen: Unser Redakteur Philipp war live bei der Darts-WM im legendären Ally Pally in London. Im Kollegengespräch mit Jana und Jan erzählt er von irrer Stimmung, kreativen Kostümen, überraschenden Matches und einer besonderen Begegnung in einem Pub.

Foto: Philipp Wohlfart
Jana: Du warst live bei der Darts-WM dabei – nimm uns mal mit: Wie war die Stimmung in der Halle?
Philipp: Das ist unbeschreiblich. Da ist vier Stunden Dauerparty am Stück. Alle singen, alle grölen. Und das schon ab dem frühen Nachmittag.
Jana: Viele kennen die Darts-WM nur aus dem Fernsehen: Was ist vor Ort anders als am Bildschirm?
Philipp: Definitiv die Stimmung. Du bekommst die Fangesänge natürlich auch am Bildschirm mit. Aber selbst Teil dieser – ich sage jetzt mal – „Feierwütigen“ zu sein, das ist nochmal etwas komplett anderes.
Und natürlich sieht am Fernsehen die Darts-Scheibe recht groß. Die ist im Ally Pally vor Ort nur so groß wie eine Ameise aus der Entfernung. Man schaut auch nicht auf die Scheibe, sondern auf die Leinwände links und rechts daneben. Das ist wie Public Viewing oder wie bei einem Konzert.
Skurrile Geschenke
Jan: Du warst das erste Mal bei der Darts-WM. Was ist dir sofort ins Auge gesprungen?
Philipp: Optisch natürlich die grüne Farbe des Hauptsponsors der WM. Alles ist in grün gehüllt. Auf den Plätzen liegen verschiedene „Geschenke“ für die Fans. Das sind Fischerhüte, diese Schaumstoff-Finger oder sogar Unterhosen.
Jan: Unterhosen?
Philipp: Ja, klingt skurril, ich weiß. Aber die waren der absolute Renner. Jeder wollte eine haben. Ich konnte mir am Ende sogar drei Stück sichern. Eine davon hab ich heute sogar an.
Jan: Welche weiteren Eindrücke konntest du wahrnehmen?
Philipp: Ich muss sagen, es riecht da auch nicht gerade gut. Es ist verdammt stickig. Der Geruch ist eine Mischung aus Bier und Schweiß. Dieser Dunst steigt dir direkt in die Nase, wenn du durch die Eingangstür gehst.
Jana: Die Fans gelten ja als legendär – wie würdest du das Publikum beschreiben?
Philipp: Positiv verrückt und sehr offen. Alle sind gut drauf und man kommt mit jedem ins Gespräch. Ich war bei drei Sessions vor Ort. Einmal saßen wir neben Deutschen, da war es ohnehin einfach in Kontakt zu kommen. Beim zweiten Mal neben Engländern und dann neben Iren.
Das Klischee, dass sie nur eine Handvoll Lieder singen können, stimmt. „Hey Baby“, „Please don’t take me home“ und „Stand up, if you love the Darts“, sind Dauerbrenner. Und natürlich „Yaya Kolo“. Dort werden die Namen der beiden ehemaligen Fußballer Yaya Touré und Kolo Touré im Wechsel gesungen. Hat wenig mit Darts zu tun, macht aber Stimmung.
Einfallsreiche Kostüme
Jan: Die Darts-WM ist bekannt für ihre Kostüme. Warum verkleidet man sich überhaupt?
Philipp: Ich glaube, das hat vor allem zwei Gründe. Die Zuschauer wollen einfach Lebensfreude ausdrücken und eine gute Zeit haben. Und natürlich ist es auch ein Kampf um Aufmerksamkeit. Weil, wenn du ein ausgefallenes Kostüm anhast, wirst du von Kameras eingefangen und schaffst es ins Fernsehen. Außerdem krönt der Veranstalter, die PDC, das beste Kostüm.
Jana: Als treue Zuschauerin deiner Insta-Story hab ich jetzt noch eine Frage dazu: Als was warst du verkleidet und warum war es ein Elfenkostüm? (lacht)
Philipp: Das hat ganz gut zur Jahreszeit gepasst und war nicht zu aufwendig. Einzigartig war es aber nicht. Viele sind als Elfen verkleidet gewesen, musste ich vor Ort feststellen. Ich war aber begeistert von der Kreativität einiger Zuschauer. Manche haben die Queen imitiert, andere Ministranten. Wenn ich nächstes Jahr wieder dabei bin, muss ich mir da auf jeden Fall etwas ganz Besonderes überlegen.

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Jana: Ich bin schon gespannt was du dann für ein Outfit rockst. Seit wann gibt es die Darts-WM eigentlich schon?
Philipp: Seit Mitte der 90er-Jahre. Und das Interesse ist immer gewachsen. Das liegt auch an der kultigen Veranstaltungshalle, dem Alexandra Palace. In der Darts-Szene spricht man aber eigentlich nur liebevoll vom Ally Pally. Die Halle, in der die Darts-WM stattfindet, sieht im TV immer größer aus als sie eigentlich ist. Pro Session passen da nur ca. 3.000 Personen rein. Nächstes Jahr wird aber in einer größeren Halle, aber im gleichen Gebäude gespielt.
Die Darts-Szene wächst stetig
Jan: Bei so einem Kult-Event besteht ja dann auch irgendwann die Gefahr, dass es total kommerziell wird – wir kennen es ja vom Oktoberfest. Wie sind denn die Preise vor Ort?
Philipp: Man sollte auf jeden Fall genug Geld mit dabei haben. Ein halber Liter Bier kostet umgerechnet circa 10 Euro. Und dann gibt es auch noch die Pitcher. Da sind zwei Liter in einem Plastik-Krug. Da legt man dann etwa 35 Euro hin. Für einen Darts-Weltmeister, der eine Million Pfund bekommt, sind das Schnäppchen.
Jan: Gab es ein Match oder einen Spieler, der dich vor Ort besonders überrascht hat?
Philipp: Das Match Ricky Evans gegen James Wade war von der Spannung wahrscheinlich das aufregendste Spiel. Ein echter Underdog und Publikumsliebling war David Munyua aus Kenia. In der ersten Runde konnte er noch gewinnen. In der zweiten Runde, wo ich ihn gesehen habe, hat er leider verloren. Und natürlich noch der 71-jährige Paul Lim. Das ist auch das Schöne am Darts. Da spielt das Alter keine Rolle.
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Jana: Darts ist ja aus der Kneipen auf die große Bühne gekommen. Trinken die Spieler denn auch selbst Alkohol während der Matches?
Philipp: Da ist immer so eine Sache. Alkohol steht zumindest nicht auf der WADA-Dopingliste. Allerdings hat die PDC, der Verband, der die WM auch organisiert jetzt auch Sanktionen eingeführt, die übermäßigen Alkoholkonsum verhindern sollen.
Jana: Was war für dich persönlich das Highlight der Darts-WM?
Philipp: Da gab es mehrere. Mich hat es gefreut, dass ich Nathan Aspinall sehen konnte. Die Darts-Spieler haben beim Einlaufen auf die Bühne immer Walk-On-Songs, die gespielt werden. Bei Aspinall ist es „Mr. Brightside“ von den Killers. Eines meiner Lieblingslieder, live vor Ort – das war pure Gänsehaut.
Dann habe ich vor dem Ally Pally in einem Community-Game noch 50 Pfund (ca. 57 €) gegen einen Darts-Spieler am Board gewonnen, weil ich mehr Punkte als er geworfen habe.

Bild von Dim Hou auf Pixabay.
Jan: Der Abend hat sich anscheinend gelohnt.
Philipp: Auf jeden Fall. Und die vielleicht verrückteste Geschichte kommt noch. Wir haben in der Mittags-Session das Spiel von Alan Soutar, (Link zum Instagram-Profil) einem schottischen Darts-Spieler, vor Ort gesehen. Am Abend wollten wir noch ein paar Bier in einem Pub in der Nähe unserer Unterkunft trinken und dann saß er da mit seinen Freunden und seinen Bruder und hat auch ein paar Bier bestellt. Wir konnten dann mit ihm in entspannter Atmosphäre ein bisschen quatschen. Das ist auch das Schöne am Darts: diese Nahbarkeit.
Jan: Wenn du die Darts-WM in einem Satz beschreiben müsstest – wie würde der lauten?
Philipp: Irrenhaus trifft auf mentale Höchstleistungen.
FAQ:
Wo findet die Darts-WM statt?
Die Darts-WM findet seit vielen Jahren im Alexandra Palace, London, statt. Oft wird er liebevoll als „Ally Pally“ bezeichnet. Eröffnet wurde er 1873 als Freizeit- und Erholungspark und nach der damaligen Kronprinzessin Alexandra von Dänemark benannt. Heute finden hier Kultur- und Sportveranstaltungen statt.
Wann findet die Darts-WM statt?
Die WM ist der krönende Abschluss des Jahres bzw. der Jahresauftakt. Sie findet über Weihnachten und Neujahr statt. De letzte WM lief vom 11.12.2025 bis 03.01.2026. Da das Finale erst im kommenden Jahr stattfindet, trägt die WM immer den Namen des anbrechenden Jahres.
Wie viele Spieler nehmen teil?
Die Teilnehmerzahl wächst stetig. Bei der Darts-WM 2016 waren es noch 72 Spieler. 2019 wurde das Teilnehmer auf 96 Spieler erweitert, 2026 waren sogar 128 Spieler dabei.
Nehmen auch Frauen teil?
Ja, auch wenn das Teilnehmerfeld weiterhin männlich dominiert ist. Seit der Darts-WM 2026 gibt es sogar vier fest Startplätze für Frauen. Bei der vergangenen Ausgabe nahmen Beau Greaves, Lisa Ashton, Fallon Sherrock, Gemma Hayter und Noa Lynn van Leuven teil.
Wer ist der aktuelle Weltmeister?
Luke Littler. Der Engländer sicherte sich nach 2025 seinen zweiten WM-Titel im Alter von 18 Jahren. Im Finale schlug er den Niederländer Gian van Veen (Niederlande) deutlich mit 7:1. Es war das jüngste WM-Finale der Geschichte. Auch van Veen war zu dem Zeitpunkt erst 23 Jahre alt.
Rekordweltmeister ist der Engländer Phil – The Power – Taylor mit 16 Titeln. Zwischen 1995 und 2002 gewann er das Turnier acht Mal in Folge!
Wie hoch ist das Preisgeld?
Bei der Darts-Weltmeisterschaft 2026 gab es ein Gesamtpreisgeld von 5 Millionen Pfund, wobei der Weltmeister 1 Million Pfund erhält – ein Rekord! Der Zweitplatzierte bekommt £400.000, das Halbfinale £200.000 und das Viertelfinale £100.000.
Ähnlich wie das Teilnehmerfeld ist auch das Preisgeld über die Jahre gewachsen.
Wie ist der Spielmodus?
Das Grundprinzip ist einfach: 501 Punkte müssen „heruntergespielt“ werden. Dabei muss der letzte Pfeil auf ein Doppel gehen. Bei 20 Punkten Rest genügt es also nicht, auf die einfache 20 (single 20) zu werfen. Der Pfeil muss in der Doppel 10 stecken.
Was ist ein Leg? Was ist ein Set?
Ein Leg wird gewonnen, wenn man vor dem Gegner die 501 Punkte auf Null herunterspielt. Man braucht drei Legs, um einen Set (Satz) zu gewinnen.
Die Anzahl der Sets, die man benötigt, um ein Spiel zu gewinnen, ist abhängig von der Spielrunde. In den ersten Runde werden drei Sets benötigt. Im Finale sind es sieben.
Was ist ein 9-Darter?
Ein 9-Darter ist das perfekte Spiel im Darts, bei dem ein Spieler die 501 Punkte in nur neun Würfen (Darts) auf Null herunterspielt, wobei der letzte Wurf ein Doppelfeld treffen muss (Double-Out). Es gilt als das höchstmögliche Kunststück, vergleichbar mit einem Hole-in-One im Golf, und erfordert extreme Präzision, Konzentration und oft auch ein Quäntchen Glück.
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