Welche Rolle spielt KI auf der Suche nach Talenten im Sport?

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3–5 Minuten

Wer wird der nächste Weltstar? Während früher Scouts mit Notizblock auf der Tribüne saßen, übernehmen heute Algorithmen das „Vorscouten“. Was Experten sagen, über KI-gesteuerte Kamerasysteme, den Datenschutz bei Profisportlern und die Frage, ob eine KI jemals das „Auge“ eines erfahrenen Trainers ersetzen kann. Ein Kollegengespräch von Kim-Luca Polster.

Dieser Beitrag wurde von Schülern des Dürer Gymnasiums in Nürnberg im Rahmen eines einjährigen Projekts zum Thema Medienkompetenz gemeinsam mit Redakteur:innen von Rabbit Radio recherchiert und produziert. Er ist Teil einer ganzen von Schülern gestalteten Sendung.


Marvin, Moderator: Fußballvereine sind ständig auf der Suche nach neuem Talent und nach Methoden, noch besser zu trainieren. Welche Rolle spielt KI heute schon dabei?

Kim-Luca: Also im Bereich Training werden unter anderem moderne Kameras eingesetzt, die die Fußballspieler tracken und ihre Leistungs-Daten sammeln. Diese ermöglichen dann z.B. eine verbesserte Videoanalyse. Hierzu habe ich auch ein Interview mit Simon Schmiderer von dem Unternehmen zone14 geführt. Die stellen eben solche Kameras her und er sagt:

Simon Schmiderer, Co-Founder zone 14:

Wir haben uns darauf spezialisiert, dass wir Fußballspieler und Spielerinnen verfolgen können. Das heißt, man hat ein fix installiertes Kamerasystem, das automatisch auswertet, wie viel ist der Spieler gelaufen oder die Spielerin, wie viele Kilometer, welche Sprints und so weiter.“          

Kim-Luca: Genau das hat er im Training gesagt. Aber KI wird auch im Scouting eingesetzt, dort werden die Daten, die durch KI erfasst wurden, in einer Datenbank gesammelt werden. Dabei hat jeder Club oder jede Agentur eigene Datenbanken, doch teilweise benutzen sie die gleichen Tools. Aus dieser Datenbank können sich Scouts Favoriten aussuchen und beispielsweise sich deren Spiele vor Ort anschauen. Dieses auswählen hilft dabei genauer zu scouten.

Die Gretchenfrage: Was ist mit dem Datenschutz?

Tim, Moderator: Bei so vielen Daten, die du gerade erwähnt hast, Kim, stellt sich mir natürlich die Frage,
wie läuft das überhaupt mit dem Datenschutz

Kim-Luca: Ja Tim, dieselbe Frage habe ich auch Simon Schmiderer gestellt und er hat Folgendes erklärt:

Simon Schmiderer:

„Jeder Spieler muss aktiv zustimmen. Wenn das nicht der Fall ist, werden seine Daten zwar in Team-Statistiken mit einfließen, aber es gibt dann keine Daten, die direkt auf ihn zurückzuführen sind.

Zeitersparnis und Feedback-Qualität

Tim: Aber neben der Technik interessiert uns natürlich auch ihr Nutzen: Welche Vorteile bietet KI im Training und Scouting?

Kim-Luca: Also im Training ist der größte Vorteil ist, dass mithilfe von KI alles einfach deutlich schneller geht als per Hand. So antwortet Simon Schmiderer bei der Frage nach den Vorteilen der Software von zone14:

Simon Schmiderer:

„Sowohl den Trainer-Teams als auch Scouts bieten wir sicher den  Mehrwert, dass unsere Software die Analyse deutlich verschnellert, dass du einfach mit quantitativen Daten noch besseres Feedback den Spielern und Spielerinnen geben kannst.“         

Kim-Luca: Im Bereich Scouting hat man einen großen Vorteil dadurch, dass man nicht jeden Spieler einzeln scouten muss, sondern in einer Datenbank die besten auswählen kann. Der Experte erklärt es folgendermaßen:

Simon Schmiderer:

„Das kann dann zum Beispiel so aussehen, dass man nicht nur als Mensch sich 100 Spieler anschaut, sondern schon 10.000 Spieler vor-scoutet, und die, die datenmäßig in den Top 10 Prozent sind, dann einlädt und sich die 100 Besten aus den 10.000 für das persönliche Scouting heraussucht.“

Wo die KI an ihre Grenzen stößt

Tim: Wo liegen die Grenzen des Systems?

Kim-Luca: Die Grenzen liegen zum Beispiel darin, dass die KI noch nicht fertig entwickelt ist. Das heißt, durch weitere Entwicklung wird es immer wieder neue Möglichkeiten geben sie zu nutzen. Aktuell fehlen der KI unter anderem situatives Denken, die jahrelange Erfahrung, die Trainer und Scouts mit sich bringen – und soziale und emotionale Intelligenz. Deswegen sehen viele kritisch, dass von einer KI statt eines Menschen entschieden wird, wer gut gescoutet wird oder gut trainiert.

Ein Blick in die Zukunft: Globale Digitalisierung

Marwin: Und wie sieht es mit dem Blick nach vorn aus? Was kann als Nächstes passieren? Was können wir erwarten?

Kim-Luca: Im Bereich Training werden noch keine genaueren Daten erhoben. Deshalb kann man hier wohl damit rechnen, dass in Zukunft mehr Daten erhoben werden, zum Beispiel, wie oft ein Spieler den Ball berührt. Auch im Bereich Scouting gibt es noch Bereiche bzw. Märkte wie zum Beispiel in Südamerika oder Afrika, in denen sehr manuell gescoutet wird. Deshalb ist es gut möglich, dass diese Bereiche und das Scouting auf der ganzen Welt digitalisiert werden.

Tim: KI im Fußball – ein Thema, das sicher weiter Fahrt aufnehmen wird. Klar ist: Die Technik bringt viele Chancen, aber eben auch neue Herausforderungen.
Marwin:
Und wie seht ihr das? Soll KI im Fußball mehr mitmischen – oder bleibt das Spiel besser eine menschliche Angelegenheit?

Hinweis der Redaktion: Die Textfassung orientiert sich am gesendetem Radiobeitrag (siehe Audiofassung). Sie kann im Vergleich zur Audio-Version redaktionelle Kürzungen und Anpassungen zur besseren Lesbarkeit enthalten oder auch längere Passagen aus den Original-Interviewmitschnitten wiedergeben.