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Ausgefleischt – Über die Moral Fleisch zu essen

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4–6 Minuten

Geboren, um geschlachtet zu werden. Jeden Tag werden in Deutschland rund 2 Millionen Tiere getötet, nur damit wir sie essen können. In diesem Podcast geht Peter Schmid zusammen mit einem Jäger und einer Veganerin der Frage auf den Grund, ob Fleisch essen noch zeitgemäß ist. Ist es für einen Jäger moralisch verwerflich, Rehe und Wildschweine zu schießen? Und ist vegan leben wirklich die Lösung für alle?

Eine kühle Flasche Limo in der einen, eine Grillzange in der anderen Hand und so ein richtig schönes Steak auf dem Grill. So habe ich mir den Sommer vorgestellt. Wo das Fleisch herkommt: aus der Frische-Theke im Supermarkt. Heute im Angebot: 200 Gramm Schweinenacken für 1,60 Euro. Fix und fertig mariniert, muss ich nur noch darauf schmeißen.

Ob das Tier ein erfülltes Leben hatte und wie lange sein Leben war, wie es geschlachtet wurde – keine Ahnung. Aber was klar ist, ich sollte das erstmal wenden, weil mein Grill ist ganz schön heiß.

Ausgefleischt. Ist Fleischessen unmoralisch? Ein Radiofeature von Peter Schmid.

Fleisch-Angebote im Check: Wie billig darf es sein?

Ich schaue gerade ein paar Supermarktprospekte durch. Hier haben wir eins, zwei, drei Seiten voll mit Angeboten zu Fleisch. Da haben wir zum Beispiel 500 Gramm gemischtes Hackfleisch von Kaufland in der Aktion 28 Prozent billiger für 1,99. Oder wenn es noch ein bisschen mehr sein darf, hier im anderen Prospekt, zwei Kilo XXL Schweinenackensteak Mexico Style, schön heruntergesetzt auf 2,99. Den Ring Premium Fleischwurst, den gibt es hier bei Lidl sogar für 69 Cent.

Wie geht das? Wie kann das so billig sein? Ist es moralisch okay, so ein Fleisch zu essen? Ist es in Anbetracht des Klimawandels und des Tierwohls grundsätzlich noch zeitgemäß, sich ein Steak zu braten oder Salami aufs Brot zu legen? Oder ist jetzt Zeit für mehr Räuchertofu auf dem Teller?

In diesem Feature will ich das herausfinden und beide Extreme erleben. Zusammen mit einer Veganerin und mit einem Jäger. Ich sage nur so viel, ich werde hautnah dabei sein, wenn es tödlich wird.

Globales Problem: Konsum, Klima und Tierschutz

In meiner Familie wurde schon immer Fleisch gegessen. Wir hatten sogar einen Bauernhof mit vielen Tieren. Ich selbst esse gern mal eine Wurst oder eben ein Steak. Ich verstehe alle, die Fleisch essen. Es ist einfach lecker.

Und doch ist unser Fleischkonsum ein Problem. Obwohl er in Deutschland leicht zurückgeht, steigt der Fleischhunger beim Rest der Welt. Nicht gut fürs Klima und in den meisten Fällen auch nicht gut fürs Tierwohl.

In der Fleischbranche jagt seit Jahren ein Skandal den nächsten. Kastenstände, Küken-Schreddern, Kastration. Immer noch.

Die Autoren des Fleischatlas fordern eine Halbierung des weltweiten Fleischkonsums. Nur so sei eine umweltfreundliche Tierhaltung möglich.

Nach all den Fleischskandalen der vergangenen Jahre, da fragen sich schon viele, wie gut ist das denn, was da bei uns auf dem Grill landet.

Mehr als zwei Millionen Hühner, Puten, Schweine und Rinder werden in Deutschland getötet. Jeden Tag. Das sind rund 23 Tiere pro Sekunde. Nur um unseren Fleischhunger zu stellen.

Besuch bei Veganerin Katharina: „Ab jetzt vegan“

Eine, die das gar nicht verstehen kann, ist Katharina. Sie lebt nämlich seit zehn Jahren vegan und hat mich nach Augsburg zu sich und ihrer Familie eingeladen. Katharina, das hat sie mir im Vorgespräch schon verraten, findet erstens Tiere töten ganz schlimm und zweitens Tiere essen muss auch nicht sein. Und das dritte, das finde ich echt krass, ihre beiden Kinder haben noch nie in ihrem Leben ein Stück Fleisch oder mal eine Salami gegessen.

Katharina ist Ernährungsberaterin und betreibt seit acht Jahren ihren Foodblog Ab jetzt vegan. Tausende Menschen folgen ihr auf Social Media und feiern ihre veganen Rezepte. Vom veganen Thai-Quinoa-Salat mit Erdnussdressing, über die vegane Pilzcremesuppe bis hin zum veganen Zwetschgenkuchen mit Thymian. Alles ist dabei.

Mit der Straßenbahn fahren wir zum Café 13, die Chance für mich Katharina ein bisschen besser kennenzulernen und zu erfahren, wieso sie das Fleischessen überhaupt aufgehört hat.

Katharina

„Also ich habe es gern gegessen, der Geschmack ist auch gut, wenn es gut zubereitet ist, aber ich sehe einfach nicht den Sinn dahinter. Warum muss ich jetzt dieses Fleisch essen, wenn es so viele andere Alternativen gibt?

Ich esse jetzt ganz anders, sowas wie Linsen, Quinoa, gewisse Getreidesorten, ich kannte das vorher auch gar nicht. Und das hat in mir ganz viel in die Gänge gebracht, weil ich mir dachte krass, ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass diesen Aufschnitt, den Wurstaufschnitt, den ich mir kaufe, dass das ja ein Tier ist.

Also es klingt bitter, aber es war einfach so, oder das Filet oder ja alles, was ich mir halt im Supermarkt gekauft habe, dass das ja tierische Produkte sind, weil ich einfach so aufgewachsen bin.“

Passiert es oft, dass dich dann Leute ansprechen oder dass sie verwundert sind?

Katharina:

„Ja, ganz oft. Im Kindergarten von meinem Sohn meinte mal ein Vater zu mir, als er dann wusste, dass ich vegan lebe, ‚Hä, du siehst ja ganz gesund aus.‘ Und da dachte ich mir so krass, in der heutigen Zeit. Deswegen nein zu Fleisch. Ich brauche es nicht. Nee, auch nicht für den Genuss.“

Auf der Jagd mit Mark: Der Jäger und das Wild

Jemand, der sehr wohl Fleisch isst und das auch gut findet, ist Mark aus Heidenheim. Mit 16 Jahren hat er den Jagdschein gemacht und ist damit einer von knapp 400.000 Jägern in Deutschland. Der Deutsche Jagdverein sieht die Jagd als zur wörtlich „angewandten Naturschutz“. Das Wild, welches Mark schießt, wird später unter anderem in einem nahegelegenen Restaurant verarbeitet und den Gästen dort als Wilddelikatisse serviert.

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